Einstieg und Überblick › Glossar für die Vernetzungssprache · 16 Min. Lesezeit
Vegane Ernährung bezeichnet eine Ernährungsweise, die aus dem Gedanken hervorgegangen ist, die Ausbeutung von Tieren und das ihnen durch menschliche Nutzung zugefügte Leid möglichst weitgehend zu überwinden.
Ihre Grundlage ist damit zunächst eine ethische Frage nach dem Verhältnis zwischen Menschen und anderen Tieren.
In der Ernährung führt diese Haltung dazu, Lebensmittel auf pflanzlicher und anderer nichttierischer Grundlage zu wählen. Dazu gehören insbesondere:
Welche ökologische Qualität diese Lebensmittel besitzen, hängt jedoch wesentlich von ihrer Erzeugung, Verarbeitung, Herkunft und Einbettung in den jeweiligen Lebensraum ab.
Vegane Ernährung ist dabei von Veganismus als umfassenderer Lebenshaltung zu unterscheiden. Veganismus bezieht sich über Ernährung hinaus auch auf andere Formen der Nutzung und Ausbeutung von Tieren.
Menschen leben heute aus unterschiedlichen Gründen vegan. Dazu gehören insbesondere Tierwohl und Tierrechte, aber auch ökologische Überlegungen, Gesundheit, persönliche Überzeugungen oder die Kritik an industrieller Tierhaltung.
Die Idee, Tiere aus ethischen Gründen nicht für die menschliche Ernährung zu nutzen, ist wesentlich älter als der heutige Begriff „vegan“.
Die moderne vegane Bewegung entwickelte sich jedoch im Umfeld der britischen vegetarischen Bewegung.
1944 trafen sich Donald Watson, Elsie Shrigley und weitere Menschen, die damals als „non-dairy vegetarians“ bezeichnet wurden. Sie wollten eine Lebens- und Ernährungsweise beschreiben, die über den damaligen Vegetarismus hinausging und auch Milchprodukte und andere Formen tierischer Nutzung einbezog.
Für diese Haltung wurde ein eigener Begriff gesucht.
Donald Watson und die frühen Mitglieder entschieden sich für „vegan“. Das Wort wurde aus dem Anfang und dem Ende des englischen Wortes „vegetarian“ gebildet.
Im November 1944 entstand daraus die Vegan Society in Großbritannien.
Die ethische Grundlage wurde in den folgenden Jahren weiter präzisiert.
1949 stellte Leslie J. Cross fest, dass der Vegan Society noch eine klare Definition des Veganismus fehlte. Er formulierte als grundlegendes Prinzip die Befreiung der Tiere von der Ausbeutung durch den Menschen.
Dieses Verständnis wurde anschließend weiterentwickelt und auf die menschliche Nutzung von Tieren für Nahrung, Güter, Arbeit, Jagd, Tierversuche und andere Formen der Ausbeutung bezogen.
Die heute bekannte Definition entstand schrittweise aus dieser Entwicklung.
Die Vegan Society beschreibt Veganismus heute als eine Philosophie und Lebensweise, die darauf ausgerichtet ist, soweit es möglich und praktikabel ist, Formen der Ausbeutung von und Grausamkeit gegenüber Tieren auszuschließen.
Die Formulierung „soweit möglich und praktikabel“ ist dabei wesentlich.
Veganismus bedeutet in dieser Definition nicht, in einer komplexen Welt einen Zustand absoluter Leidfreiheit erreichen zu können. Der Anspruch besteht darin, vermeidbare Ausbeutung und Grausamkeit gegenüber Tieren innerhalb der tatsächlich vorhandenen Möglichkeiten möglichst weitgehend auszuschließen.
Die oft sinngemäß verwendete Formulierung
„so tierleidfrei wie möglich“
trifft damit einen wichtigen Gedanken der später entwickelten Definition, ist jedoch kein historisches Originalzitat aus der Gründungszeit von 1944.
Diese Entstehung ist für die Betrachtung veganer Ernährung wichtig.
Der Ausgangspunkt war nicht einfach die Einteilung von Lebensmitteln in tierische und nichttierische Produktgruppen.
Im Mittelpunkt stand eine ethische Frage:
Wie können Menschen leben, ohne Tiere unnötig auszubeuten und ihnen vermeidbares Leid zuzufügen?
In der Ernährung führte diese Haltung zu einer pflanzlich ausgerichteten Ernährungsweise.
Aus der Perspektive des Qualitarian stellt sich daran anschließend eine weitere Frage:
Wie weit muss diese Betrachtung reichen, wenn wir nicht nur gehaltene Tiere, sondern den gesamten Lebensraum betrachten?
Denn auch die Erzeugung pflanzlicher Lebensmittel findet innerhalb von Ökosystemen statt.
Bodenorganismen, Insekten, Vögel, Säugetiere, Wildpflanzen, Pilze und viele weitere Lebewesen teilen die Landschaften, in denen Landwirtschaft stattfindet. Bodenbearbeitung, Ernte, Bewässerung, Pflanzenschutz, Maschinen und Veränderungen der Landschaft können ihre Lebensbedingungen unmittelbar beeinflussen.
Damit erweitert sich die ursprüngliche Frage nach Tierleid um die Frage nach dem gesamten Landwirtschaftssystem:
Wie kann Nahrung so entstehen, dass möglichst wenig vermeidbares Leid und möglichst wenig Zerstörung von Lebensgrundlagen entsteht und gleichzeitig lebendige Ökosysteme erhalten und weiterentwickelt werden?
An diesem Punkt entsteht eine unmittelbare Verbindung zwischen veganer Ernährung und dem Qualitarian.
Ein pflanzliches Lebensmittel ist nicht allein aufgrund seiner pflanzlichen Herkunft nachhaltig, regenerativ oder ökologisch eingebettet.
Pflanzliche Lebensmittel können aus sehr unterschiedlichen Landwirtschaftssystemen stammen. Dazu gehören beispielsweise:
Diese Systeme unterscheiden sich erheblich hinsichtlich Bodenbearbeitung, Biodiversität, Wasserbedarf, Energieeinsatz, Betriebsmitteln, Landschaftsstruktur und Transport.
Ein Lebensmittel aus einer vielfältigen Mischkultur kann in ein komplexes Ökosystem eingebettet sein, während ein anderes pflanzliches Lebensmittel aus einem stark vereinfachten Landwirtschaftssystem stammen kann. Auch die Unterscheidung zwischen regional und überregional reicht deshalb allein nicht aus.
Für die Beurteilung eines Lebensmittels ist entscheidend, wie es entstanden ist und welche Lebensbedingungen durch seine Erzeugung erhalten, geschaffen oder beeinträchtigt wurden.
In integrierten landwirtschaftlichen Systemen können Tiere unterschiedliche Funktionen innerhalb des Hof- und Landschaftsökosystems übernehmen.
Dazu können beispielsweise gehören:
Diese Wirkungen entstehen nicht durch Tierhaltung an sich.
Ob Tiere solche Funktionen ökologisch sinnvoll erfüllen, hängt unter anderem von Tierart, Tierzahl, Besatzdichte, Weidemanagement, Boden, Klima, Vegetation und dem jeweiligen Landschaftssystem ab.
Werden gehaltene Tiere aus einem Landwirtschaftssystem herausgenommen, verschwinden die zuvor von ihnen getragenen Funktionen nicht zwangsläufig. Sie müssen jedoch durch andere biologische, menschliche oder technische Prozesse übernommen werden.
Dazu können beispielsweise Kompostierung, Gründüngung und Zwischenfrüchte gehören. Auch Mähen, Mulchen, mechanische Bodenbearbeitung oder der Transport und die Verteilung von Biomasse können notwendig werden. Nährstoffe können über externe organische oder mineralische Dünger eingebracht werden.
Eine Maschine, die eine Wiese mäht, übernimmt jedoch nicht dieselben Beziehungen wie ein Tier, das Pflanzen selektiv frisst, sich durch die Landschaft bewegt, Ausscheidungen hinterlässt und selbst Bestandteil eines lebendigen Ökosystems ist.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht allein, ob Tiere innerhalb eines Landwirtschaftssystems gehalten werden, sondern welche ökologischen Funktionen vorhanden sind, wie sie getragen werden und welche Auswirkungen daraus für den gesamten Lebensraum entstehen.
Vegane, vegetarische und tierische Ernährung sind Kategorien, mit denen Menschen ihre Ernährungsweise beschreiben und voneinander unterscheiden.
Ein natürliches Ökosystem kennt diese Kategorien nicht.
Ökosysteme sind über sehr lange evolutionäre Zeiträume aus Beziehungen zwischen Pflanzen, Tieren, Pilzen, Mikroorganismen, Böden, Wasser, Klima und Landschaft hervorgegangen.
Pflanzen bauen mithilfe von Sonnenenergie Biomasse auf. Pflanzenfresser beeinflussen Vegetation und Pflanzenbestände. Räuber wirken auf Tierpopulationen und deren Verhalten. Insekten bestäuben Pflanzen. Tiere verbreiten Samen. Pilze und Mikroorganismen zersetzen organisches Material. Bodenorganismen verändern und strukturieren Böden.
Sterben und Zersetzung führen Stoffe wieder in Kreisläufe zurück, aus denen neues Leben entstehen kann.
Auch große Pflanzenfresser und andere Säugetiere haben Landschaften über sehr lange Zeiträume mitgeformt. Fraß, Tritt, Ausscheidungen, Wanderungen und die Bewegung von Nährstoffen sind Bestandteile solcher ökologischen Beziehungen.
Der Mensch ist ebenfalls Teil dieser Zusammenhänge.
Wenn gesellschaftliche Ernährungskategorien auf Landwirtschaft übertragen werden, entsteht deshalb eine zusätzliche Frage:
Was geschieht mit einem gewachsenen Ökosystem, wenn eine menschlich definierte Ernährungskategorie zum Gestaltungsprinzip für Landwirtschaft und Landschaft wird?
Eine Gesellschaft kann sich entscheiden, bestimmte Lebensmittel nicht mehr zu essen oder bestimmte Formen der Tierhaltung nicht mehr zu unterstützen.
Die ökologischen Funktionen innerhalb einer Landschaft verschwinden dadurch jedoch nicht automatisch.
Es muss betrachtet werden,
Aus der Perspektive des Qualitarian sollte eine Ernährungsentscheidung deshalb immer mit dem jeweiligen Lebensraum zusammengedacht werden.
Die Frage ist sowohl, welche Lebensmittel Menschen essen, als auch, welches Landwirtschaftssystem und welche Landschaft durch ihre Versorgung entstehen.
Jede menschliche Ernährung ist in biologische Lebenskreisläufe eingebunden.
Menschen können Nahrung nicht erzeugen, ohne mit anderen Lebensformen und ihren Lebensräumen in Beziehung zu treten.
Bei tierischen Lebensmitteln wird dies unmittelbar sichtbar, wenn ein Tier geschlachtet wird.
Bei pflanzlichen Lebensmitteln kann eine Pflanze vollständig geerntet und ihr Leben damit beendet werden. Bei Früchten, Samen oder anderen Pflanzenteilen kann die Pflanze weiterleben.
Auch dort benötigt Landwirtschaft jedoch Fläche, Wasser, Boden und Nährstoffe und verändert damit die Lebensräume anderer Organismen.
Pflanzen konkurrieren um Licht, Wasser und Nährstoffe. Tiere ernähren sich von Pflanzen und anderen Tieren. Pilze und Mikroorganismen zersetzen abgestorbenes Material. Organische Substanz wird wieder Bestandteil des Bodens und kann neues Leben tragen.
In diesem Sinn gilt:
Leben trägt Leben.
Das bedeutet nicht, dass alle Formen des Tötens, Nutzens oder Eingreifens gleichzusetzen sind.
Das Töten eines Säugetiers ist nicht dasselbe wie das Ernten einer Frucht. Eine vielfältige regenerative Landwirtschaft ist nicht dasselbe wie die großflächige Zerstörung eines Lebensraums.
Der grundlegende Zusammenhang bleibt jedoch bestehen: Menschliches Leben ist auf anderes Leben angewiesen.
Kein Mensch kann sich durch die Wahl einer Ernährungskategorie vollständig außerhalb dieses Zusammenhangs stellen.
Gerade daraus entsteht Verantwortung.
Dabei stellen sich Fragen wie:
Aus dieser Perspektive kann der ursprüngliche ethische Impuls veganer Ernährung – vermeidbares Tierleid und Ausbeutung möglichst weitgehend zu verhindern – in eine umfassendere Verantwortung gegenüber dem gesamten Lebenssystem eingebettet werden.
Aus der Perspektive des Qualitarian entsteht eine wichtige Kritik dort, wo eine pflanzenbasierte Versorgung mit stark vereinfachten und technisierten Landwirtschaftssystemen verbunden wird.
Großflächiger Pflanzenbau kann mit großen Maschinen, häufigen Überfahrten und intensiver Bodenbearbeitung verbunden sein. Pflügen kann Böden wenden und Pflanzenbestände regulieren, zugleich aber Bodenstruktur, Bodenbedeckung und Bodenleben beeinflussen.
Große einheitliche Ackerschläge erleichtern eine effiziente maschinelle Bewirtschaftung. Gleichzeitig können dadurch kleinräumige Landschaftselemente und ökologische Übergangsräume verloren gehen.
Besonders kritisch werden Systeme, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen:
Wenn Nährstoffkreisläufe innerhalb eines Hof- oder Landschaftssystems nicht ausreichend getragen werden, müssen Nährstoffe zunehmend von außen eingebracht werden. Pflanzenschutzmittel greifen gezielt in biologische Prozesse ein und können abhängig vom Wirkstoff und seiner Anwendung auch andere Organismen und ökologische Beziehungen beeinflussen.
Maschinen, Bewässerung, Betriebsmittel, Verarbeitung, Kühlung und Transport können zusätzlich erhebliche Mengen Energie benötigen.
Solche Strukturen entstehen nicht ausschließlich für vegane Ernährung und sind auch in Landwirtschaftssystemen mit Tierhaltung weit verbreitet.
Sie zeigen jedoch, warum die Bezeichnung vegan allein keine Aussage über die ökologische Qualität eines Landwirtschaftssystems erlaubt.
Ein System, das Pflanzen für Menschen erzeugt und gleichzeitig Bodenleben, Biodiversität und natürliche Lebensräume stark beeinträchtigt, wird aus der Qualitarian-Perspektive nicht allein dadurch zu einem guten Ernährungssystem, dass seine Produkte pflanzlich sind.
Gesunde Ernährung beginnt im Boden.
Ein lebendiger Boden entsteht aus komplexen Beziehungen zwischen Bakterien, Pilzen, Pflanzenwurzeln, Insekten, Würmern, organischem Material, Wasser, Luft, Mineralien und vielen weiteren Organismen.
Dabei übernehmen unterschiedliche Bestandteile verschiedene Aufgaben:
Intensive Bodenbearbeitung, dauerhaft unbedeckte Böden, schwere Maschinen, einseitige Fruchtfolgen und andere intensive Bewirtschaftungsformen können diese Beziehungen beeinträchtigen.
Ein stark geschädigter Boden kann einen Teil seiner Fähigkeit verlieren,
Aus einer qualitätsorientierten Perspektive reicht es deshalb nicht aus, ausschließlich zu fragen, ob auf einem Acker pflanzliche Lebensmittel erzeugt werden.
Die Frage lautet auch:
Was geschieht während dieser Erzeugung mit dem Boden?
Eine landwirtschaftliche Fläche dient der Lebensmittelproduktion und ist gleichzeitig Lebensraum.
Dort leben oder bewegen sich unter anderem Vögel, Insekten, Kleinsäuger, Amphibien, Bodenorganismen, Wildpflanzen und Pilze.
Diese Lebewesen erfüllen unterschiedliche Funktionen innerhalb der Landschaft. Vögel nutzen Felder, Wiesen, Bäume und Hecken als Nahrungs-, Brut-, Rast- oder Rückzugsräume. Insekten beteiligen sich an Bestäubung, Zersetzung und Nahrungsketten. Kleinsäuger und andere Wildtiere nutzen Felder, Wiesen und Feldränder oder bewegen sich durch landwirtschaftliche Landschaften. Unterhalb der sichtbaren Oberfläche bildet das Bodenleben einen wesentlichen Teil des Ökosystems.
Landwirtschaft verändert deshalb immer auch die Lebensbedingungen anderer Arten.
Große, einheitlich bewirtschaftete Flächen mit wenigen Kulturpflanzen können diesen Lebensraum stark vereinfachen. Hecken, Bäume, Feldränder, Feuchtstellen, unterschiedliche Vegetationshöhen, Brachen, Mischkulturen und angepasste Beweidung können dagegen vielfältigere ökologische Nischen schaffen.
Aus der Qualitarian-Perspektive gehört deshalb auch die Frage zur Lebensmittelqualität:
Wie viel Leben kann neben unserer Nahrung auf dieser Fläche bestehen?
Landwirtschaft ohne gehaltene Nutztiere kann sehr unterschiedlich gestaltet werden.
Pflanzenbasierte Systeme können unter anderem mit folgenden Ansätzen arbeiten:
Kompost kann organisches Material wieder in den Boden zurückführen. Zwischenfrüchte und vielfältige Fruchtfolgen können den Boden bedecken, unterschiedliche Wurzelsysteme fördern und Nährstoffkreisläufe unterstützen. Agroforst und Dauerkulturen können langfristige Wurzel-, Boden- und Landschaftsstrukturen ermöglichen.
Auch die Förderung von Wildtieren kann Bestandteil einer pflanzenbasierten Landwirtschaft sein.
Landwirtschaft ohne gehaltene Nutztiere bedeutet schließlich nicht Landwirtschaft ohne Tiere.
Insekten, Vögel, Kleinsäuger, Bodenorganismen und andere Wildtiere bleiben Bestandteil des Ökosystems.
Die entscheidende Trennlinie verläuft aus der Qualitarian-Perspektive deshalb nicht einfach zwischen Landwirtschaft mit Tieren und Landwirtschaft ohne Tiere.
Entscheidend ist die Qualität der Beziehungen innerhalb des jeweiligen Systems.
Eine vegane Ernährung kann in Regionen mit günstigen Voraussetzungen eine breite regionale Grundlage besitzen.
Dazu können insbesondere gehören:
Dort können unterschiedliche pflanzliche Eiweiß-, Fett-, Kohlenhydrat- und Mikronährstoffquellen innerhalb einer vielfältigen regionalen Landwirtschaft entstehen.
In nördlichen Regionen, Hochgebirgen, trockenen Gebieten, Graslandschaften oder Regionen mit sehr kurzen Vegetationsperioden können die Möglichkeiten des Pflanzenbaus anders oder begrenzter sein.
Eine vollständig vegane Versorgung kann dort unter Umständen stärker auf Importe, Gewächshausproduktion, Lagerung, Verarbeitung, Transport oder andere technische Infrastrukturen angewiesen sein. Kurze Ernteperioden können umfangreiche Haltbarmachung notwendig machen. Fermentation, Trocknung, Einkochen oder andere Formen der Verarbeitung können dabei eine wichtige Rolle spielen.
Auch Gewächshausproduktion, Kühlung und Lagerung können zusätzlichen Energiebedarf erzeugen.
Das bedeutet nicht, dass vegane Ernährung in solchen Regionen grundsätzlich unmöglich oder falsch ist.
Es bedeutet, dass ihre tatsächliche ökologische und regionale Einbettung betrachtet werden muss.
Qualitarian geht davon aus, dass nicht jede Region alles hervorbringen muss.
Jeder Lebensraum besitzt Möglichkeiten und Grenzen. Diese werden unter anderem geprägt durch:
Über Generationen haben Menschen Erfahrungen mit Anbau, Tierhaltung, Verarbeitung, Fermentation, Trocknung, Lagerung und Zubereitung an bestimmten Orten entwickelt.
Eine Ernährungsweise, die diese Bedingungen weitgehend ignoriert, kann einen erheblichen technischen und logistischen Aufwand benötigen, um trotzdem umgesetzt zu werden.
Eine regional eingebettete Ernährung orientiert sich deshalb auch daran, was ein Lebensraum langfristig hervorbringen und regenerieren kann.
Die Frage lautet:
Welche Ernährung kann aus den Möglichkeiten dieses Lebensraums entstehen und gleichzeitig seine Lebensgrundlagen erhalten oder verbessern?
Ein wesentlicher Beweggrund veganer Ernährung ist die Verringerung oder Vermeidung von Tierleid.
Diese Frage steht in einer erkennbaren Verbindung zur historischen Entwicklung des Veganismus und seinem Anspruch, Ausbeutung und Grausamkeit gegenüber Tieren soweit möglich und praktikabel auszuschließen.
Aus der Qualitarian-Perspektive wird diese Betrachtung auf den gesamten Lebensraum ausgeweitet.
Auch pflanzliche Landwirtschaft greift in Lebensräume ein. Besonders relevant sind dabei:
Bodenbearbeitung verändert den Lebensraum von Bodenorganismen und kann weitere Tiere betreffen. Ernteverfahren greifen unmittelbar in Felder ein. Pflanzenschutz beeinflusst gezielt bestimmte Organismen und kann darüber hinaus weitere Arten und ökologische Beziehungen berühren.
Die Entfernung von Hecken, Feldrändern oder Feuchtstellen kann Rückzugsräume reduzieren. Maschinen können Tiere unmittelbar gefährden, während Veränderungen des Wasserhaushalts ganze Lebensgemeinschaften beeinflussen können.
Deshalb fragt Qualitarian sowohl nach dem gehaltenen oder getöteten Nutztier als auch danach:
Welche Lebensformen wurden durch das gesamte Landwirtschaftssystem gefördert, verdrängt oder beeinträchtigt?
Die ursprüngliche ethische Frage des Veganismus wird dadurch nicht aufgegeben.
Sie wird auf den gesamten Lebensraum ausgeweitet.
Wenn vermeidbares Leid möglichst weitgehend verhindert werden soll, müssen auch jene Lebewesen und Lebensräume betrachtet werden, die im fertigen Lebensmittel nicht unmittelbar sichtbar sind.
Der Begriff Qualitarian stellt vegane Ernährung nicht grundsätzlich infrage.
Er betrachtet ihre Qualität im Zusammenhang mit dem gesamten Lebens- und Landwirtschaftssystem.
Eine vegane Ernährung kann auf vielfältigen regionalen Pflanzen, gesunden Böden, regenerativen Anbaumethoden und kurzen Versorgungskreisläufen beruhen. Sie kann ebenso mit Monokulturen, intensiver Bodenbearbeitung, hohen externen Inputs und weit entfernten Lieferketten verbunden sein.
Aus der Qualitarian-Perspektive gehören deshalb mehrere Ebenen zusammen:
Die vegane Ernährung bleibt damit eine mögliche Ernährungsweise.
Qualitarian stellt sie – ebenso wie vegetarische und tierische Ernährung – in den größeren Zusammenhang von Landwirtschaft, Ökosystem und regionaler Tragfähigkeit.
Dabei entsteht eine grundlegende Frage:
Was geschieht, wenn unsere Ernährungskategorien auf die ökologischen Zusammenhänge einer Landschaft treffen?
Ein Ökosystem richtet sich nicht danach, ob Menschen seine Bestandteile als vegan, vegetarisch oder tierisch einordnen.
Es besteht aus Beziehungen zwischen Leben und Leben.
Qualitarian versucht deshalb, die ethische Frage der Ernährung mit der ökologischen Wirklichkeit des jeweiligen Ortes zusammenzuführen.
Aus dieser Perspektive ist nicht allein entscheidend:
Ist dieses Lebensmittel vegan?
Die weiterführende Frage lautet:
Ist das Lebenssystem, aus dem dieses Lebensmittel hervorgegangen ist, gesund, vielfältig, resilient und langfristig tragfähig?
Damit verschiebt sich der Blick vom einzelnen Produkt auf seine Beziehungen zu Boden, Wasser, Pflanzen, Tieren, Menschen und dem Ort, aus dem unsere Nahrung hervorgeht.
Die Frage nach Tierleid bleibt dabei bestehen.
Sie wird in einen größeren Zusammenhang gestellt.
Wenn menschliches Leben von anderem Leben getragen wird, liegt die Verantwortung nicht darin, diese Beziehung gedanklich aufzulösen.
Sie liegt darin, bewusst mit ihr umzugehen:
Welche Form unserer Ernährung achtet das Leben, von dem sie getragen wird, erhält seine Lebensgrundlagen und ermöglicht auch nachfolgenden Generationen, innerhalb eines lebendigen Ökosystems zu leben?
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Vom Redaktionsteam TEIKEI, mit Unterstützung von KI (ChatGPT)
Erstellt am 6. August 2026 · Zuletzt aktualisiert am 10. Oktober 2026
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