Wirkliche Nähe braucht Raum. Und Begrenzung. Das 9. TEIKEI-Prinzip erkennt an, dass die Qualität gemeinschaftlicher Prozesse nicht linear mit der Gruppengröße wächst. Ab einer bestimmten Größe gehen Transparenz, Beteiligung und Beziehungsdichte oft verloren – während Koordination und Kommunikation exponentiell schwieriger werden.
Dieses Prinzip lädt dazu ein, Gruppen so zu gestalten, dass sie überschaubar, lebendig und selbstorganisiert bleiben. Statt Wachstum um jeden Preis wird ein Prinzip gepflegt, das Dezentralität, Teilung und bewusste Skalierung in den Mittelpunkt stellt.
Bei TEIKEI wird Gruppenbildung nicht nur als logistische Einheit betrachtet – sondern als sozialer Raum. Die Größe einer Obstgemeinschaft, eines Abholortes oder eines Koordinationsteams orientiert sich an der Frage: Können wir uns noch zuhören? Kennen wir die Bedürfnisse der anderen? Können wir uns gemeinsam weiterentwickeln?
Konkrete Praktiken:
- Ein TEIKEI-Abholort wird in zwei Teilgruppen aufgeteilt, sobald über 100 regelmässig beziehende Haushalte beteiligt sind – nicht, weil es technisch nötig ist, sondern um soziale Nähe zu bewahren.
- Neue Regionen gründen eigene Koordinationskreise, statt in bestehende Strukturen „einzusteigen“ – um Verantwortung, Identifikation und Entscheidungsfreiheit zu stärken.
- In überregionalen Netzwerktreffen wird bewusst mit Delegierten gearbeitet, die ihre Gemeinschaften vertreten, aber im engen Kontakt mit ihrer Basis stehen.
- Gruppen nutzen Werkzeuge wie Soziokratie, Kreismoderation oder partizipative Entscheidungsprozesse, um auch bei wachsender Beteiligung handlungsfähig zu bleiben.
- Eine TEIKEI Obstgemeinschaft in einer ländlichen Region bemerkt, dass bei steigender Beteiligung die Abläufe unübersichtlich werden. Um persönliche Begegnung und Mitverantwortung zu erhalten, wird die Gemeinschaft in zwei überschaubare Kreise mit eigener Koordination und Auslieferung aufgeteilt – angepasst an lokale Gegebenheiten wie Hofnähe und Transportwege.
- In einem TEIKEI-Humusprojekt wird beobachtet, dass ab einer gewissen Anzahl von teilnehmenden Höfen die Tiefe im Austausch leidet. Daher beschließen die Beteiligten, die Gruppe in zwei eigenständige, aber vernetzte Humuskreise aufzuteilen – mit je maximal 10 Höfen pro Kreis, um intensive Lernprozesse und echte Beziehungspflege zu ermöglichen.
- Auf der digitalen TEIKEI-Agora wird pro Region oder Sprachraum eine eigenständige Mandant:innenstruktur aufgebaut – statt alles über eine zentrale Plattform zu leiten.
- Wo in meiner Gruppe spüre Ich, dass Prozesse unübersichtlich oder unverbunden werden?
- Was spricht dagegen, eine neue Teilgruppe zu gründen – oder Prozesse zu dezentralisieren?
- Wie kann Ich andere dabei unterstützen, neue Gruppen zu begleiten oder zu initiieren?
Gemeinschaft lebt nicht von Masse – sondern von Präsenz, Wahrnehmung und Verbindlichkeit.
Dieses Prinzip ist ein Schlüssel zur rekursiven Netzwerkökonomie: Statt Expansion durch Zentralisierung entsteht eine organische Vermehrung – durch Zellteilung, nicht durch Überdehnung.
Ob bei Lebensmitteln, Bildungsangeboten oder Energieversorgung: Wenn Gruppen in angemessener Größe bleiben, können sie handlungsfähig, transparent und beziehungsstark wirken – und gleichzeitig neue Keimzellen entstehen lassen.
Wenn Du Interesse hast, einen neuen Abholort zu gründen, eine Gemeinschaft aufzuspalten oder eine Gruppe zu begleiten – melde Dich bei uns unter kontakt@teikei.us, oder baue eine eigene Bestellgemeinschaft auf. Jeder neue Kreis ist ein Beitrag zur Vielfalt.