Quadratic Voting ist ein Entscheidungsverfahren, bei dem nicht nur sichtbar wird, welche Option die meisten Stimmen erhält, sondern auch, wie stark Menschen eine bestimmte Entscheidung unterstützen oder ablehnen.
Für Genossenschaften, Netzwerke und gemeinschaftlich getragene Organisationen kann diese Methode interessant sein, wenn Entscheidungen nicht allein nach einfacher Mehrheit getroffen werden sollen.
Bei einer klassischen Abstimmung hat jede Person meist eine Stimme. Dadurch wird sichtbar, welche Position zahlenmäßig die Mehrheit hat.
Was dabei oft unsichtbar bleibt:
Quadratic Voting versucht, diese Intensität sichtbar zu machen.
Jede Person erhält dafür eine bestimmte Anzahl an Stimmguthaben. Diese können auf verschiedene Optionen verteilt werden. Wer einer Option mehr Gewicht geben möchte, kann mehrere Stimmen einsetzen. Allerdings steigen die Kosten für zusätzliche Stimmen quadratisch.
Das bedeutet:
| Stimmen für eine Option | Kosten in Stimmguthaben |
|---|---|
| 1 Stimme | 1 Punkt |
| 2 Stimmen | 4 Punkte |
| 3 Stimmen | 9 Punkte |
| 4 Stimmen | 16 Punkte |
| 5 Stimmen | 25 Punkte |
Dadurch wird verhindert, dass eine Person beliebig viele Stimmen auf ein einzelnes Thema konzentriert. Gleichzeitig entsteht Raum, um besonders wichtige Anliegen stärker sichtbar zu machen.
In einer Genossenschaft geht es nicht nur darum, Mehrheiten zu organisieren. Es geht auch darum, Verantwortung, Betroffenheit und Tragfähigkeit gemeinsam abzuwägen.
Quadratic Voting kann helfen, wenn mehrere Themen gleichzeitig bewertet werden sollen, zum Beispiel:
Das Verfahren eignet sich vor allem für Priorisierungen und Meinungsbilder. Es ersetzt nicht automatisch rechtlich verbindliche Abstimmungen nach Genossenschaftsrecht oder Satzung.
Eine einfache Mehrheit beantwortet vor allem die Frage:
Welche Option bekommt die meisten Stimmen?
Quadratic Voting ergänzt diese Frage um eine zweite Ebene:
Wie stark ist die Unterstützung oder Ablehnung?
Dadurch können Entscheidungen differenzierter vorbereitet werden. Eine Option, die von vielen leicht bevorzugt wird, kann anders gewichtet werden als ein Anliegen, das nur von wenigen getragen wird, für diese aber sehr wichtig ist.
Eine Genossenschaft möchte entscheiden, welche drei Themen im nächsten Jahr prioritär bearbeitet werden:
Jedes Mitglied erhält zum Beispiel 25 Stimmguthaben.
Ein Mitglied könnte diese Punkte so einsetzen:
So wird nicht nur sichtbar, was gewählt wird, sondern auch, welche Themen für einzelne Mitglieder besonders wichtig sind.
Quadratic Voting kann in gemeinschaftlichen Strukturen mehrere Vorteile haben:
Gerade in Genossenschaften kann das hilfreich sein, weil dort nicht nur Kapital, sondern auch Beziehung, Verantwortung und gemeinsame Zukunftsfähigkeit zählen.
Quadratic Voting ist kein Allheilmittel.
Es braucht klare Regeln, gute Erklärung und einen geschützten Rahmen. Besonders wichtig ist, dass nicht mit echtem Geld abgestimmt wird, sondern mit gleich verteiltem Stimmguthaben. Sonst könnten finanzstärkere Personen mehr Einfluss ausüben als andere.
Für genossenschaftliche Kontexte ist daher entscheidend:
Für TEIKEI könnte Quadratic Voting vor allem dort hilfreich sein, wo viele wichtige Themen gleichzeitig im Raum stehen und eine einfache Ja-Nein-Abstimmung zu wenig Orientierung bietet.
Mögliche Anwendungsfelder wären:
Dabei sollte Quadratic Voting nicht als Ersatz für Gespräch, Konsent oder sorgfältige Beratung verstanden werden. Es kann aber ein ergänzendes Werkzeug sein, um Stimmungsbilder klarer, fairer und differenzierter sichtbar zu machen.
Quadratic Voting kann Genossenschaften helfen, Entscheidungsprozesse feiner zu gestalten.
Es macht sichtbar, dass nicht jede Stimme nur eine Richtung hat, sondern auch eine Stärke. Dadurch können gemeinschaftliche Organisationen besser erkennen, welche Themen breit getragen werden und wo einzelne Gruppen besonders stark betroffen sind.
Für TEIKEI ist dieses Verfahren vor allem als ergänzendes Werkzeug interessant: nicht als technische Lösung für alle Entscheidungsfragen, sondern als Möglichkeit, Beteiligung, Betroffenheit und gemeinsame Prioritäten bewusster sichtbar zu machen.