Ein landwirtschaftlicher Betrieb produziert nicht nur Lebensmittel.
Er gestaltet Landschaften, beeinflusst Wasserhaushalte, verändert Böden, prägt Biodiversität und wirkt auf das Klima.
Gerade Höfe, die regenerativ wirtschaften, leisten deshalb weit mehr als die reine Erzeugung eines Produkts. Sie tragen dazu bei, dass Böden fruchtbar bleiben, Wasser sauber bleibt, Luftqualität erhalten wird und vielfältige Ökosysteme entstehen oder bestehen bleiben.
Diese Leistungen werden jedoch in vielen wirtschaftlichen Berechnungen kaum berücksichtigt. Preise orientieren sich häufig ausschließlich am Marktwert eines Produkts, während jene Leistungen unsichtbar bleiben, die für die langfristige Stabilität unserer Lebensgrundlagen entscheidend sind.
Der Ansatz des „richtigen Rechnens“ versucht genau dieses Problem zu adressieren. Er fragt danach, welche Kosten tatsächlich entstehen – und welche Leistungen bislang unsichtbar bleiben.
Ökologische Leistungen sind Wirkungen eines landwirtschaftlichen Betriebs, die der Umwelt und der Gesellschaft zugutekommen.
Dazu gehören beispielsweise:
Diese Leistungen entstehen durch konkrete landwirtschaftliche Praktiken wie vielfältige Fruchtfolgen, Dauerbegrünung, Agroforstsysteme, reduzierte Bodenbearbeitung oder den Aufbau von Landschaftsstrukturen.
Solche Effekte sind für die Gesellschaft wertvoll, werden aber in klassischen Marktpreisen kaum berücksichtigt.
In der konventionellen Preislogik wird vor allem das Produkt bewertet.
Ein Liter Olivenöl oder ein Kilogramm Obst hat einen Marktpreis.
Doch der Wert eines gesunden Bodens oder eines sauberen Wassersystems taucht darin meist nicht auf.
Deshalb entsteht eine strukturelle Verzerrung:
Betriebe, die kurzfristig hohe Erträge erzielen und ökologische Schäden verursachen, können oft günstiger produzieren als Höfe, die langfristig ökologische Stabilität aufbauen.
Dabei profitieren letztlich alle Menschen davon, wenn Landschaften stabil bleiben und Ökosysteme funktionieren.
Ein Bericht über regenerative Landwirtschaft beschreibt solche Leistungen als „tangible but hidden benefits“ – also reale, aber unsichtbare Werte, die in klassischen Wirtschaftsrechnungen nicht auftauchen. oai_citation:0‡FIC
Sauberes Wasser, fruchtbare Böden und funktionierende Ökosysteme sind keine privaten Güter eines einzelnen Hofs.
Sie sind öffentliche Güter.
Wenn ein Hof Böden regeneriert, profitieren:
Deshalb ist es sinnvoll, Wege zu finden, diese Leistungen nicht allein den Höfen aufzubürden.
In der Umweltökonomie spricht man hier von „Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen“ (Payments for Ecosystem Services, PES). Dabei erhalten Landwirte Ausgleichszahlungen für Leistungen wie Wasserschutz, Biodiversität oder Kohlenstoffbindung. oai_citation:1‡Wikipedia
In verschiedenen Regionen der Welt werden bereits Programme entwickelt, die ökologische Leistungen von Höfen berücksichtigen.
Ein zentraler Ansatz sind Programme, in denen Landwirte für ökologische Leistungen bezahlt werden.
Typische Beispiele:
Solche Programme versuchen, Marktmechanismen für ökologische Leistungen zu schaffen.
Ein Beispiel ist das Programm von Cefetra Ecosystem Services.
Dort erhalten Landwirte finanzielle Anreize für Verbesserungen bei:
Die Vergütung orientiert sich an messbaren Verbesserungen der ökologischen Wirkung. oai_citation:2‡cefetra-ecosystem-services.com
Ein weiteres Beispiel ist das britische Programm Catchment Sensitive Farming, das Landwirte unterstützt, landwirtschaftliche Belastungen für Gewässer zu reduzieren und Wasserqualität zu verbessern. oai_citation:3‡Wikipedia
Solche Programme zeigen, dass ökologische Leistungen zunehmend als Teil der landwirtschaftlichen Leistung verstanden werden.
Neben politischen Programmen gibt es auch wissenschaftliche und digitale Tools, die versuchen, ökologische Leistungen sichtbar zu machen.
Der Ecosystem Valuation Toolkit ist ein Werkzeug zur monetären Bewertung von Ökosystemleistungen.
Er nutzt wissenschaftliche Datenbanken und Modelle, um zu berechnen:
COMET-Farm ist ein Modell, das landwirtschaftliche Praktiken analysiert und ihre Auswirkungen auf Treibhausgasemissionen und Kohlenstoffbindung berechnet.
Landwirte geben Daten über ihre Bewirtschaftung ein und können sehen, wie sich unterschiedliche Praktiken auf Klimawirkung und Umweltleistungen auswirken. oai_citation:5‡attra.ncat.org
In vielen Regionen wird zudem mit Ansätzen des „Natural Capital Accounting“ gearbeitet.
Dabei werden natürliche Ressourcen und Ökosystemleistungen ähnlich wie wirtschaftliche Vermögenswerte bewertet.
Dieser Ansatz versucht, Umweltleistungen systematisch in wirtschaftliche Entscheidungsprozesse einzubeziehen.
Im Kontext von TEIKEI kann die Anerkennung ökologischer Leistungen mehrere Funktionen erfüllen.
Erstens hilft sie, die Arbeit regenerativer Höfe besser sichtbar zu machen.
Zweitens schafft sie eine Grundlage, um Preisbildung nicht ausschließlich über Marktpreise zu definieren, sondern auch über langfristige ökologische Stabilität.
Drittens unterstützt sie die Entwicklung gemeinschaftlich getragener Landwirtschaftssysteme, in denen Mitglieder nicht nur ein Produkt kaufen, sondern auch die ökologische Arbeit eines Hofs mittragen.
Wenn ökologische Leistungen Teil der landwirtschaftlichen Realität sind, müssen sie auch in wirtschaftlichen Überlegungen auftauchen.
Das bedeutet nicht zwingend, dass jede Leistung exakt in Geld bewertet werden muss.
Aber es bedeutet, dass Höfe nicht so behandelt werden dürfen, als hätten diese Leistungen keinen Wert.
In gemeinschaftlich getragenen Landwirtschaftssystemen kann dies bedeuten:
Damit wird sichtbar, dass Landwirtschaft nicht nur Lebensmittelproduktion ist, sondern auch eine Form der Landschaftspflege und ökologischen Verantwortung.
Regenerative Landwirtschaft erzeugt nicht nur Produkte, sondern auch ökologische Leistungen.
Diese Leistungen umfassen unter anderem:
Viele dieser Leistungen bleiben in klassischen Marktpreisen unsichtbar.
Deshalb entstehen zunehmend Ansätze, diese Leistungen sichtbar zu machen und wirtschaftlich zu berücksichtigen. Dazu gehören Programme wie Payments for Ecosystem Services, wissenschaftliche Bewertungsmodelle und neue digitale Tools.
Langfristig wird eine nachhaltige Landwirtschaft nur dann möglich sein, wenn diese Leistungen nicht mehr als Nebenprodukt gelten, sondern als wesentlicher Teil der landwirtschaftlichen Arbeit verstanden und von der Gesellschaft mitgetragen werden.