TEIKEI Netzwerk › Council of Synergies · 6 Min. Lesezeit
Gemeinschaftliche Projekte stehen immer wieder vor derselben Herausforderung:
Unterschiedliche Formen von Arbeit, Verantwortung und Engagement
lassen sich nur schwer mit einem einzigen Maßstab erfassen.
Im folgenden wird ein stundenbasiertes Organisations- und Verrechnungssystem
beschrieben, das in einem Ökodorf praktisch angewendet wird
und zwischen roten, blauen und grünen Stunden unterscheidet.
Das Modell stammt aus einem Gespräch zwischen Nicolas Franka und Felix Schröder
und wird hier so wiedergegeben, wie es aus der Praxis heraus entstanden ist:
als Verständigungshilfe innerhalb einer Gemeinschaft,
nicht als Abrechnungssystem,
nicht als fertiges Modell
und nicht als direkte Übertragung auf andere Kontexte.
Die nachfolgenden Abschnitte beschreiben diese drei Arten von Stunden
gleichwertig nebeneinander
und machen sichtbar,
wie unterschiedliche Beiträge innerhalb einer Gemeinschaft
bewusst unterschieden werden können,
ohne sie pauschal zu monetarisieren.
Eine Praxis aus gemeinschaftlicher Organisation
In gemeinschaftlich organisierten Projekten stellt sich immer wieder die Frage,
wie unterschiedliche Arten von Arbeit sichtbar gemacht werden können,
ohne alles gleich zu bewerten oder in Geld zu übersetzen.
Der folgende Beitrag beschreibt ein stundenbasiertes Differenzierungssystem,
wie es in einem Ökodorf an der belgisch-deutschen Grenze praktiziert wird.
Er basiert auf einem Gespräch mit Nicolas Franka
und dient als Inspiration aus der Praxis –
nicht als fertiges Modell und nicht als direkte Übertragung auf TEIKEI.
In Gemeinschaften entstehen sehr unterschiedliche Tätigkeiten:
notwendige organisatorische Aufgaben,
praktische Arbeiten,
aber auch freiwillige, kreative oder soziale Beiträge.
Wenn all diese Tätigkeiten gleich behandelt werden,
entstehen häufig Spannungen.
Einige übernehmen dauerhaft essenzielle Aufgaben,
während andere vor allem die angenehmen oder sichtbaren Tätigkeiten wählen.
Um diese Unterschiede bewusst zu machen,
arbeitet die Gemeinschaft mit drei Arten von Stunden:
roten, blauen und grünen Stunden.
Rote Stunden stehen für notwendige Aufgaben,
ohne die das Projekt nicht funktionieren würde.
Dazu zählen insbesondere:
Diese Tätigkeiten sind oft wenig sichtbar
und nicht immer beliebt,
aber für den Bestand der Gemeinschaft unverzichtbar.
Rote Stunden bilden die Grundlage der Beteiligung.
Mitglieder übernehmen hiervon einen vereinbarten Anteil,
um die tragenden Strukturen gemeinsam zu sichern.
Blaue Stunden stehen für Tätigkeiten,
die gemeinsam beschlossen werden
und zum Aufbau oder Erhalt der Struktur beitragen.
Dazu gehören zum Beispiel:
Diese Tätigkeiten sind meist sichtbarer
und werden häufig als sinnvoll oder erfüllend erlebt.
Sie sind wichtig für das gemeinsame Leben,
aber nicht in derselben Weise verpflichtend wie rote Stunden.
Grüne Stunden stehen für freiwillige Beiträge,
die aus persönlicher Motivation entstehen.
Dazu zählen:
Grüne Stunden werden nicht eingefordert
und nicht kontrolliert.
Sie sollen Raum für Eigeninitiative lassen
und werden als Geschenk an die Gemeinschaft verstanden.
Die Unterscheidung von roten, blauen und grünen Stunden
endet nicht bei der Beschreibung unterschiedlicher Tätigkeiten.
Sie bildet auch die Grundlage für einen gemeinschaftlichen Ausgleichsprozess.
Dabei geht es nicht um Kontrolle oder Leistungsbewertung,
sondern darum,
Ungleichgewichte wahrzunehmen
und gemeinsam in einen neuen Zyklus zu starten.
In der Praxis wird anerkannt,
dass nicht jede Stunde dieselbe Belastung oder Verantwortung mit sich bringt.
Insbesondere rote Stunden werden als anspruchsvoll
und für das Funktionieren der Gemeinschaft essenziell erlebt.
Deshalb können sie intern höher gewichtet werden.
Beispielhaft wird mit Orientierungsfaktoren gearbeitet:
Diese Faktoren sind keine festen Regeln.
Sie dienen als Gesprächsgrundlage,
um wahrgenommene Unterschiede benennen zu können.
Ein interner Tausch ist möglich:
Wer mehr rote Stunden übernommen hat,
kann diese gegen blaue Stunden tauschen
oder sie als Ausgleich für andere Beiträge einsetzen.
Der Tausch erfolgt freiwillig und im Dialog.
Ein zentraler Bestandteil des Systems ist die Selbsteinschätzung.
Am Ende eines Jahres oder vereinbarten Zyklus reflektieren die Beteiligten:
Diese Einschätzung wird festgehalten, aber nicht bewertet.
Sie dient als Ausgangspunkt für ein gemeinsames Gespräch,
nicht als Leistungsnachweis.
Der eigentliche Ausgleich findet in einem gemeinsamen Kreisgespräch statt,
häufig als eigenes Treffen am Ende des Jahres.
In diesem Rahmen:
Dabei können Fragen auftauchen wie:
Ziel ist nicht,
dass alle gleich viel geleistet haben,
sondern dass alle wieder bei Null beginnen können –
ohne unausgesprochenen Frust oder Schuldgefühle.
Wenn einige deutlich mehr beigetragen haben
und andere weniger,
wird ein gemeinschaftlicher Ausgleich gesucht.
Dieser kann unterschiedliche Formen annehmen:
Welche Form der Ausgleich annimmt,
wird nicht vorab festgelegt,
sondern im Gespräch gemeinsam entschieden.
Die Stunden dienen dabei als Sprache für Fairness,
nicht als Währung im klassischen Sinn.
Die hier beschriebene Praxis geht auf ein Gespräch mit
Nicolas Franka zurück.
Er arbeitet seit vielen Jahren in gemeinschaftlichen Projekten
und bringt praktische Erfahrungen aus Ökodörfern
und selbstorganisierten Gemeinschaften ein.
Zudem ist er im internationalen Netzwerk
rund um Monetary Diversity aktiv,
das sich mit vielfältigen Formen von Geld,
Verrechnungssystemen und gemeinschaftlicher Organisation beschäftigt.
Weitere Einblicke in diese Arbeit finden sich unter:
https://www.monetarydiversity.org/
Dieser Beitrag versteht sich ausdrücklich als
Inspiration aus dem Gespräch
und nicht als fertiges oder übertragbares Modell.
Die Unterscheidung von roten, blauen und grünen Stunden
zeigt einen möglichen Umgang mit Vielfalt in Gemeinschaften,
ohne alles zu monetarisieren.
Sie lädt dazu ein,
über Arbeit, Verantwortung und Ausgleich
neu nachzudenken –
als Grundlage für weitere Gespräche
und mögliche nächste Schritte.
↑ Eine Ebene höher: Council of Synergies
Von Felix Schröder, mit Unterstützung von KI (ChatGPT)
Erstellt am 30. Januar 2026 · Zuletzt aktualisiert am 17. März 2026
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