Die FairShare-Rechnung wirkt auf den ersten Blick wie eine einfache Umverteilung des Endpreises.
Tatsächlich beruht sie auf einer grundlegend anderen Art, Landwirtschaft, Logistik, Verteilung und wirtschaftliche Verantwortung zu organisieren.
In klassischen Systemen entsteht der Preis aus dem Markt:
Im TEIKEI-System beginnt die Rechnung an einem anderen Punkt:
Der Preis wird also nicht von oben durch Marktlogik gesetzt, sondern entlang der realen Bedarfe der Lieferkette aufgebaut.
Die FairShare-Logik wird nur möglich, weil mehrere Grundentscheidungen zusammenkommen.
Im Gespräch mit den Höfen geht es nicht zuerst darum, welcher Preis im Wettbewerb durchsetzbar wäre.
Die Ausgangsfrage lautet:
So entsteht ein Preis entlang der tatsächlichen Anforderungen der Beteiligten – nicht entlang dessen, was ein Markt kurzfristig gerade drückt oder zulässt.
Ein entscheidender Unterschied ist, dass die Grundkosten der TEIKEI Agora nicht vollständig über jedes einzelne Produkt erwirtschaftet werden müssen.
Mitgliedschaften / Ernteanteile tragen bereits Teile der gemeinsamen Struktur, zum Beispiel:
Dadurch steht die Kernorganisation unter deutlich weniger wirtschaftlichem Druck als klassische Unternehmen, die ihre gesamte Struktur über Produktmargen finanzieren müssen.
Das verändert die Kalkulation grundlegend.
Gleichzeitig ist wichtig zu sagen: An diesem Punkt sind wir noch nicht vollständig angekommen.
Wir sind auf dem Weg dorthin, die Grundorganisation so weit und so stabil über Mitgliedschaften und gemeinschaftlich getragene Strukturen abzusichern, dass die FairShare-Rechnung Schritt für Schritt weiter ausgebaut werden kann. Je weniger Druck auf der Kernorganisation lastet, ihre Existenz über Produktmargen absichern zu müssen, desto mehr Mittel können entlang der Lieferkette dorthin fliessen, wo sie eigentlich gebraucht werden: in die Landwirtschaft, in die Höfe, in Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität und den langfristigen Umbau der Agrarsysteme.
Genau deshalb arbeiten wir auch am Aufbau einer Genossenschaft.
Die Genossenschaft wird die Rahmenbedingungen dieser FairShare-Logik in der Tiefe ermöglichen und absichern. Sie schafft eine Struktur, in der nicht wenige über die Lieferkette verfügen, während andere nur einkaufen oder zuliefern, sondern in der alle Beteiligten die Möglichkeit bekommen, Teilnehmende und Mitbesitzende der Lieferkette zu werden.
Das betrifft zum Beispiel:
So entsteht Schritt für Schritt eine Versorgungsstruktur, in der Verantwortung, Gestaltung und Eigentum näher zusammenrücken.
Die FairShare-Rechnung ist deshalb nicht nur eine andere Preislogik, sondern Teil eines grösseren organisatorischen Wandels: hin zu einer gemeinschaftlich getragenen Lieferkette, in der Wertschöpfung, Verantwortung und Entscheidungsmacht gerechter verteilt werden.
Im klassischen Handel trägt ein Produkt oft nicht nur seine eigene Lieferkette, sondern zusätzlich weitere Strukturen mit:
Bei TEIKEI ist der Anspruch ein anderer:
Die Orange soll nicht versteckt Einkommen für etwas erzeugen, das mit ihrer konkreten Lieferkette wenig zu tun hat.
Sie soll ermöglichen, dass:
Genau darin liegt ein grosser Unterschied.
Wenn Mitglieder bereit sind, mehr zu zahlen als die reinen Istkosten der Lieferkette, dann entsteht Spielraum.
Dieser Spielraum verschwindet nicht automatisch in Unternehmensmargen, sondern kann bewusst gestaltet werden.
Zum Beispiel:
Das heisst:
Jeder zusätzliche Cent pro Kilogramm kann im Netzwerk bewusst zugeordnet werden.
Nicht ein Unternehmen entscheidet verdeckt über seine Marge, sondern die Gemeinschaft kann sichtbar entscheiden, welche Entwicklung sie ermöglichen will.
Die Zahl von ca. 16.000 bis 22.000 € für 10.000 kg Orangen ist nicht einfach eine zufällige Spannbreite.
Sie zeigt, welches Potenzial entsteht, wenn Produkte nicht nach Marktlogik, sondern nach realen Kosten und gemeinschaftlicher Priorität kalkuliert werden.
Im TEIKEI-Modell werden zunächst die tatsächlichen Kosten der konkreten Lieferkette im Produktpreis abgebildet.
Dazu gehören zum Beispiel:
Die Grundkosten der TEIKEI Agora selbst werden dabei nicht vollständig auf das Produkt umgelegt, weil sie durch Mitgliedschaften mitgetragen werden.
So kommt man in diesem Beispiel auf einen "Roh-Preis" von ungefähr:
Dieser Preis deckt die reale Lieferkette unter TEIKEI-Bedingungen ab und inklusive Versandkosten zur Gemeinschaft.
Wenn nun im Markt für vergleichbare Bio-Orangen ein Preis von
verlangt wird, und zwar zuzüglich Versand bis an die Haustür, dann wird sichtbar, wie gross die Differenz zwischen realen Lieferkettenkosten und marktüblichem Verkaufspreis sein kann.
Rechnen wir konservativ mit einem Vergleichswert von 5,00 € pro kg und einem TEIKEI-Preis von 3,00 € pro kg:
Die Differenz beträgt dann:
Bei einer Menge von 10.000 kg ergibt das:
Und genau hier liegt der Kern der FairShare-Logik.
Die Spannbreite ergibt sich daraus, wie dieser zusätzliche Spielraum im Netzwerk verwendet wird.
Wenn die gesamte Differenz von rund 2,00 € pro kg dem Hof zugeschlagen würde, ergäbe das bei 10.000 kg:
Dann würde ein Grossteil des Unterschieds direkt in die landwirtschaftliche Praxis zurückfliessen.
Es ist auch möglich, diesen zusätzlichen Spielraum bewusst und transparent aufzuteilen.
Zum Beispiel:
Oder:
Oder auch:
Das heisst: Der entstehende Spielraum muss nicht automatisch vollständig abgeschöpft oder immer in dieselbe Richtung verteilt werden. Er kann auch dazu genutzt werden, den Endpreis bewusst zu senken. In einem solchen Modell könnte zum Beispiel ein Drittel des Vorteils direkt bei den Mitgliedern ankommen, indem der Preis pro Kilogramm reduziert wird, während die übrigen Teile weiterhin dem Hof und dem gemeinsamen Aufbau zugutekommen.
Entscheidend ist dabei nicht, dass es nur ein einziges richtiges Verteilmodell gibt. Entscheidend ist, dass überhaupt Gespräche über die Preisstruktur möglich werden und dass diese Preisstruktur transparent und rückverfolgbar ist – bis an den Hof selbst und nicht nur bis zum Packhaus.
Genau darin liegt ein grundlegender Unterschied zur üblichen Marktlogik:
So kann je nach Modell ein Betrag von etwa
an zusätzlichem Wert entstehen, der nicht vom Markt abgeschöpft wird, sondern im Netzwerk gemeinsam gestaltbar bleibt.
Diese Spannbreite ist also kein diffuser Schätzwert.
Sie ergibt sich aus der Frage:
Wie wollen wir den Spielraum verwenden, der entsteht, wenn wir Lebensmittelversorgung anders organisieren?
Der eigentliche Unterschied ist nicht nur, dass der Hof mehr bekommen kann.
Der eigentliche Unterschied ist, dass die Gemeinschaft beginnt, Verantwortung für die gesamte Preisbildung zu übernehmen.
Das heisst:
Sondern:
Genau dadurch verändert sich die Rolle aller Beteiligten.
Aus Konsum wird Beteiligung.
Aus Preisakzeptanz wird Preisgestaltung.
Aus einer anonymen Lieferkette wird ein kooperatives Versorgungssystem.
Wenn wir Lebensmittelversorgung auf diese Weise organisieren, entsteht weit mehr als ein besserer Orangenpreis.
Es entsteht die Grundlage dafür, nach und nach auch weitere Bereiche der Grundnahrungsmittelversorgung über dieselbe Logik aufzubauen.
Die TEIKEI Agora ist dabei nicht nur eine Plattform, sondern ein Werkzeug für diese neue Organisation von Versorgung:
Das heisst:
Dadurch können Wege kürzer werden, Zugang einfacher und Beteiligung alltäglicher.
Nicht nur grosse Gruppen können sich organisieren, sondern auch kleine, nahe und praktische Gemeinschaften.
Die FairShare-Rechnung ist kein Rechentrick.
Sie zeigt, was möglich wird, wenn:
Dann kann selbst bei einer Orange sichtbar werden, welches Potenzial darin liegt, Lebensmittelversorgung neu zu organisieren - als konkrete, rechenbare und gemeinschaftlich gestaltbare Alternative.