Wirtschaft & Vision › Kulturelle & soziale Dimensionen von Wirtschaft · 14 Min. Lesezeit
Ein Kind hockt an einem Bach.
Es wirft einen Ast ins Wasser und läuft ihm nach. Der Ast bleibt zwischen zwei Steinen hängen. Das Kind staut das Wasser, legt weitere Äste dazu, beobachtet die Strömung und reißt alles wieder auseinander.
Niemand hat ihm gesagt, dass jetzt Unterricht ist.
Und trotzdem lernt es.
Es lernt etwas über Wasser, Gewicht, Bewegung, Widerstand, Gleichgewicht und Material. Es lernt, dass eine Idee scheitern und im nächsten Versuch trotzdem weiterleben kann. Es lernt mit dem ganzen Körper, mit nassen Händen, kalten Füßen und wachen Augen.
Vor allem aber lernt es, weil es wissen will, was geschieht.
Das ist der entscheidende Unterschied.
Denn Lernen beginnt nicht mit einem Lehrplan.
Lernen beginnt mit einer Bewegung im Menschen.
Mit Staunen.
Mit Neugier.
Mit einer Frage, die nicht von außen gestellt wurde.
Mit Begeisterung.
In unserer Gesellschaft behandeln wir Begeisterung häufig wie eine angenehme Zugabe.
Zuerst kommt die Pflicht.
Dann kommt der Stoff.
Dann wird geübt, geprüft und bewertet.
Und wenn am Ende noch etwas Freude übrig bleibt, darf Lernen vielleicht sogar Spaß machen.
Doch was, wenn diese Reihenfolge grundlegend falsch ist?
Was, wenn Begeisterung nicht die Belohnung nach dem Lernen ist?
Was, wenn Begeisterung überhaupt erst den Boden schafft, auf dem tiefes Lernen wachsen kann?
André Stern bringt diese Perspektive in seinem Vortrag über Begeisterung, Lernen und Entwicklung auf einen einfachen Gedanken:
Unser Gehirn entwickelt sich dort, wo wir es mit Begeisterung benutzen.
Das stellt vieles infrage.
Denn natürlich können Menschen auch unter Druck Informationen aufnehmen. Wir können Jahreszahlen auswendig lernen, Prüfungen bestehen, Arbeitsabläufe wiederholen und Anweisungen befolgen.
Aber was bleibt davon?
Wie viel von dem, was wir jahrelang gelernt haben, ist heute noch wirklich in uns lebendig?
Wie viel davon können wir nicht nur wiedergeben, sondern anwenden, verändern, miteinander verbinden und aus eigener Kraft weiterentwickeln?
Wir haben uns daran gewöhnt, kurzfristige Abrufbarkeit für Bildung zu halten.
Doch ein bestandener Test beweist zunächst nur, dass ein Mensch zu einem bestimmten Zeitpunkt eine erwartete Antwort geben konnte.
Er beweist nicht, dass aus Information Erkenntnis geworden ist.
Stern beschreibt Begeisterung als Dünger für das Gehirn.
Er spricht dabei nicht ausdrücklich von Dopamin, sondern allgemeiner von neuroplastischen Botenstoffen. Diese unterstützen nach seiner Darstellung jene Prozesse, durch die sich Verbindungen im Gehirn verändern, verstärken und neu bilden können.
Das Bild vom Dünger passt erstaunlich gut.
Ein Samenkorn kann jahrelang im Boden liegen.
Seine Möglichkeiten sind vorhanden. Aber es wächst nicht allein deshalb, weil jemand Wachstum von ihm verlangt.
Es braucht Feuchtigkeit.
Wärme.
Licht.
Einen lebendigen Boden.
Auch das menschliche Gehirn entwickelt sich nicht einfach dadurch, dass wir möglichst viele Informationen hineinschütten. Entscheidend ist, ob etwas im Menschen lebendig wird.
Ein zwei- oder dreijähriges Kind erlebt nach Sterns Darstellung etwa alle zwei oder drei Minuten einen regelrechten Begeisterungssturm.
Das klingt zunächst unglaublich.
Doch wer ein kleines Kind einmal aufmerksam durch einen Garten, einen Wald oder eine Werkstatt begleitet hat, kennt diese Bewegung.
Eine Schnecke zieht eine glänzende Spur über einen Stein.
Ein Blatt dreht sich im Wind.
Unter einem Stück Holz lebt eine ganze Welt.
Ein Vogel ruft aus einem Baum.
Teig wächst über den Rand einer Schüssel.
Aus einem winzigen Samen ist eine Pflanze geworden.
Eine große Maschine setzt sich in Bewegung.
Immer wieder geschieht etwas, das ein Kind vollständig ergreift.
Stern sagt:
Das Gehirn eines kleinen Kindes watet geradezu im Dünger.
Dann folgt sein erschreckender Vergleich:
Viele Erwachsene erleben eine ähnlich starke Begeisterung nur noch zwei- oder dreimal im Jahr.
Ob diese Häufigkeiten exakt messbar sind, ist nicht der entscheidende Punkt. Im Vortrag werden dafür keine wissenschaftlichen Belege genannt.
Aber die Beobachtung trifft etwas Reales:
Kinder begegnen der Welt, als wäre sie voller Wunder. Viele Erwachsene bewegen sich durch dieselbe Welt, als wäre längst alles bekannt.
Vielleicht haben wir nicht aufgehört zu lernen, weil unser Gehirn zu alt geworden ist.
Vielleicht haben wir aufgehört zu lernen, weil wir zu selten noch von etwas wirklich ergriffen werden.
Kinder unterscheiden nicht zwischen Spielen und Lernen.
Diese Trennung stammt von Erwachsenen.
Ein Kind baut nicht zuerst eine Hütte, um sich anschließend dem eigentlichen Lernen zuzuwenden.
Beim Bauen lernt es.
Es sucht Äste, vergleicht Längen, prüft Belastungen, verändert Winkel und entdeckt, welche Konstruktion trägt. Es verhandelt mit anderen Kindern, entwickelt Regeln, verteilt Aufgaben und reagiert auf unerwartete Schwierigkeiten.
Dabei werden Bewegung, Wahrnehmung, Vorstellungskraft, Sprache, Beziehung und Denken nicht voneinander getrennt.
Alles geschieht gleichzeitig.
Das Kind wiederholt eine Handlung nicht, weil zehn Wiederholungen auf einem Arbeitsblatt vorgesehen sind. Es wiederholt sie, weil es etwas herausfinden möchte.
Es scheitert und beginnt erneut.
Nicht, weil jemand ihm Durchhaltevermögen verordnet hat.
Sondern weil seine Frage noch nicht beantwortet ist.
Spielen ist nicht die Pause vom Lernen.
Spielen ist die ursprüngliche Form des Lernens.
Das Spiel hat kein von außen festgelegtes Ergebnis. Gerade deshalb ist es ernst.
Ein Kind kann sich darin vollständig einer Sache hingeben. Es kann seine eigenen Grenzen aufsuchen, ohne dass diese Grenzen vorher von Erwachsenen definiert wurden.
Wenn Erwachsene dieses Spiel fortwährend unterbrechen, bewerten und in ein vorgegebenes Lernziel verwandeln, verändert sich sein Charakter.
Aus einer eigenen Bewegung wird eine fremde Aufgabe.
Aus Neugier wird Erwartung.
Aus Entdeckung wird Leistung.
Aus Begeisterung wird Pflichterfüllung.
Stern beschreibt die Absurdität unseres Bildungssystems mit einer bitteren Zuspitzung:
Ein guter Schüler vergisst den Stoff drei Wochen nach der Prüfung. Ein schlechter Schüler vergisst ihn drei Tage vor der Prüfung.
Der Unterschied besteht dann nicht darin, ob das Wissen wirklich Teil des Menschen geworden ist.
Der Unterschied besteht nur im Zeitpunkt des Vergessens.
Wir investieren einen gewaltigen Teil unserer Lebenszeit in Inhalte, die uns nicht berühren und die deshalb kaum Wurzeln schlagen.
Das ist nicht nur ein pädagogisches Problem.
Es ist eine enorme Verschwendung menschlicher Lebensenergie.
Menschen verbringen Jahre damit, die Erwartungen von Institutionen zu erfüllen. Sie lernen, Antworten zu liefern, die andere bereits kennen. Gleichzeitig bleibt oft wenig Raum für jene Fragen, die tatsächlich aus ihnen selbst entstehen.
Was mit Begeisterung gelernt wurde, besitzt eine andere Qualität.
Wir erinnern uns an den Namen eines Vogels, weil wir ihm eines Morgens begegnet sind.
Wir verstehen einen Boden, weil wir ihn in den Händen gehalten, gerochen und über Jahre beobachtet haben.
Wir begreifen Feuer nicht durch eine Definition, sondern weil wir gelernt haben, es zu entfachen, zu nähren und zu hüten.
Wir verstehen Brot anders, wenn wir das Korn gesehen, die Ähre berührt, das Mehl gemahlen und den Teig geknetet haben.
Wissen wird dauerhaft, wenn es sich mit Erfahrung verbindet.
Es bleibt, weil es für uns eine Bedeutung bekommen hat.
Man kann Menschen zum Erscheinen verpflichten.
Man kann Aufgaben verteilen.
Man kann Lernziele festlegen, Ergebnisse kontrollieren und Abweichungen bestrafen.
Aber man kann nicht befehlen:
Begeistere dich jetzt.
Stern erzählt von seinem Gitarrenbaumeister. Dieser sagte ihm zu Beginn seiner Ausbildung:
Ich kann dir alles zeigen. Beibringen kann ich dir nichts.
Darin liegt ein tiefes Verständnis von Lernen.
Ein Mensch kann sein Wissen öffnen.
Er kann vormachen, erklären und begleiten.
Er kann gutes Werkzeug bereitstellen.
Er kann einen Raum schaffen, in dem Fragen willkommen sind.
Aber er kann den eigentlichen Lernprozess nicht für einen anderen Menschen übernehmen.
Niemand kann von außen in einen Menschen hineinlernen.
Der Funke muss überspringen.
Besonders lebendig wird dieser Gedanke in einer Geschichte über Sterns kleinen Sohn Antonin.
Antonin bekommt einen Spielzeugmähdrescher und will wissen, was diese Maschine tut. Er schaut sich Videos an und spielt den ganzen Winter über Mähdrescher.
Im Sommer entdeckt er eine solche Maschine auf einem Feld.
Die Familie hält an.
Der Mähdrescher kommt näher, bis der Fahrer die Maschine vor dem Kind stoppt. Er öffnet die Tür und lädt Antonin und seinen Vater in die Kabine ein.
Dort bleiben sie zwei Stunden.
Nicht, weil eine Unterrichtseinheit von zwei Stunden vorgesehen war.
Sondern weil das Kind vor Begeisterung beinahe platzt.
Es möchte alles wissen.
Und der Fahrer möchte ihm alles zeigen.
Auch der Mann ist berührt. Seit Tagen fährt er über die Felder, ohne wirklich wahrgenommen zu werden. Nun steht dort ein Kind, das nicht nur seine Maschine, sondern auch seine Arbeit sieht und bewundert.
Er holt Weizenkörner aus dem Tank, legt sie Antonin in die Hände und sagt:
Das ist zukünftiges Brot.
In diesem Augenblick wird kein abstraktes Fach unterrichtet.
Das Kind erlebt einen vollständigen Zusammenhang:
Erde.
Saat.
Wachstum.
Maschine.
Arbeit.
Ernte.
Mehl.
Brot.
Und mittendrin zwei Menschen, deren Begeisterung sich gegenseitig verstärkt.
Der Fahrer wird zum Lehrer, ohne sich als Lehrer vorgestellt zu haben.
Das Kind lernt, ohne zu einer Unterrichtsstunde erschienen zu sein.
Aus einer Begegnung entsteht Beziehung. Aus Beziehung entsteht Wissen. Und aus Wissen entsteht eine neue Verbindung zur Welt.
Ein Kind braucht nicht nur Menschen, die etwas über die Welt erklären.
Es braucht die Welt.
Es braucht Gärten, Küchen, Bäche und Wälder.
Es braucht Werkstätten, Höfe, Baustellen und Backstuben.
Es braucht Tiere, Pflanzen, Werkzeuge und Materialien.
Es braucht Menschen, die etwas wirklich tun und ihre Erfahrung teilen.
Für ein Kind kann ein Müllwerker ebenso zum Vorbild werden wie eine Ärztin.
Eine Gärtnerin kann ihm etwas zeigen, das kein Lehrbuch vermitteln kann.
Ein alter Handwerker kann in wenigen Bewegungen ein Wissen weitergeben, das über Jahrzehnte in seinen Händen gewachsen ist.
Kinder kennen die gesellschaftlichen Hierarchien zwischen diesen Tätigkeiten zunächst nicht.
Sie fragen nicht:
Sie fragen:
Das ist eine sehr ursprüngliche Form von Offenheit.
Sie nimmt die Welt nicht als Sammlung getrennter Fachgebiete wahr. Sie sieht Beziehungen.
Der Regen gehört zum Boden.
Der Boden gehört zur Pflanze.
Die Pflanze gehört zum Tier.
Das Tier gehört zur Landschaft.
Die Landschaft gehört zur Ernährung.
Die Ernährung gehört zur Gemeinschaft.
Das Kind muss diese Zusammenhänge nicht erst künstlich miteinander verbinden.
Es erlebt sie als Ganzes.
Die grundlegende Alternative lautet nicht einfach Schule oder Nichtschule.
Sie lautet:
Vertrauen oder Angst.
Angst sieht zuerst den Mangel:
Vertrauen sieht die Bewegung:
Vertrauen bedeutet nicht, ein Kind sich selbst zu überlassen.
Es bedeutet, wirklich anwesend zu sein, ohne jeden Schritt kontrollieren zu wollen.
Es bedeutet, ein Kind nicht als unfertiges Rohmaterial zu betrachten, das erst durch Erziehung zu einem vollständigen Menschen werden müsse.
Das Kind ist bereits da.
Mit seiner Wahrnehmung.
Seiner Würde.
Seiner Neugier.
Seiner Fähigkeit, Beziehungen herzustellen.
Seinem Drang, die Welt zu verstehen.
An dieser Stelle öffnet sich eine noch größere Frage.
Wie festgelegt ist ein menschliches Gehirn überhaupt?
Die sogenannte Nun Study begleitete 678 katholische Ordensschwestern über viele Jahre. Die Teilnehmerinnen absolvierten regelmäßig kognitive Untersuchungen und stellten nach ihrem Tod ihre Gehirne für die Forschung zur Verfügung.
Dabei zeigte sich etwas Bemerkenswertes:
Bei einigen Schwestern fanden die Forschenden nach dem Tod deutliche Alzheimer-typische Veränderungen im Gehirn, obwohl diese Frauen zu Lebzeiten keine entsprechend ausgeprägten Demenzsymptome gezeigt hatten.
Oft wird dieser Befund vereinfacht als identisches „Lochfraßbild“ in einer CT-Aufnahme weitererzählt. Das ist nicht korrekt.
Untersucht wurden nach dem Tod unter anderem Amyloidablagerungen, neurofibrilläre Veränderungen, Hirninfarkte und weitere neuropathologische Merkmale.
Der eigentliche Befund ist auch ohne Übertreibung erstaunlich:
Sichtbare krankhafte Veränderungen und die tatsächlich gelebten geistigen Fähigkeiten stimmten nicht immer unmittelbar überein.
Heute wird in diesem Zusammenhang unter anderem von kognitiver Reserve und Resilienz gegenüber neuropathologischen Veränderungen gesprochen.
Das bedeutet nicht, dass Begeisterung Alzheimer verhindert.
Die Studie beweist auch nicht, dass Spielen, Bildung oder ein aktives Leben eine Demenzerkrankung ausgleichen können.
Sie zeigt aber, dass der Mensch nicht auf ein einzelnes Bild seines Gehirns reduziert werden kann.
Unsere Lebensgeschichte, unsere Beziehungen, unsere sprachlichen und geistigen Fähigkeiten, unsere Tätigkeiten und viele weitere Faktoren können beeinflussen, wie widerstandsfähig wir gegenüber Veränderungen werden.
Das Gehirn ist keine Maschine, bei der ein beschädigtes Teil immer genau dieselbe sichtbare Folge haben muss.
Es ist lebendig.
Es verändert sich mit dem Leben, das wir führen.
Jede Form des Wirtschaftens beruht auf einem Menschenbild.
Wenn wir davon ausgehen, dass Menschen von Natur aus träge und unmotiviert sind, bauen wir Systeme der Kontrolle.
Dann brauchen wir:
Wenn wir Menschen dagegen als neugierige, beziehungsfähige und gestaltungswillige Wesen verstehen, stellt sich eine andere Frage:
Nicht:
Wie bringen wir Menschen dazu, etwas zu leisten?
Sondern:
Unter welchen Bedingungen wollen Menschen von sich aus lernen, beitragen und Verantwortung übernehmen?
Arbeit kann Menschen abstumpfen.
Sie kann aber auch Können, Zugehörigkeit und Selbstwirksamkeit entstehen lassen.
Der Unterschied liegt nicht nur in der Tätigkeit.
Er liegt darin, ob ein Mensch einen Zusammenhang erkennt.
Ob seine Erfahrung zählt.
Ob er gestalten darf.
Ob seine Arbeit von anderen wahrgenommen wird.
Ob sie mit dem wirklichen Leben verbunden bleibt.
Der Mähdrescherfahrer erledigte zunächst seine Arbeit. Doch in der Begegnung mit dem Kind wurde aus einer routinierten Tätigkeit wieder etwas Sichtbares und Bedeutungsvolles.
Er zeigte nicht einfach eine Maschine.
Er zeigte zukünftiges Brot.
Rohstoffe sind begrenzt.
Zeit ist begrenzt.
Geld ist begrenzt.
Begeisterung verhält sich anders.
Stern beschreibt sie als eine Ressource, die durch ihren Gebrauch nicht weniger wird.
Sie kann überspringen.
Die Begeisterung eines Kindes weckt die Begeisterung eines Erwachsenen.
Die Begeisterung einer Gärtnerin öffnet anderen Menschen den Blick für Pflanzen.
Die Begeisterung eines Bäckers kann eine Verbindung zu Getreide, Handwerk und Ernährung entstehen lassen.
Die Begeisterung eines Menschen für Holz, Musik, Tiere, Sterne, Pilze, Böden oder Maschinen kann in anderen Menschen etwas berühren, das dort vielleicht lange geschlafen hat.
Begeisterung lässt sich nicht lagern.
Sie lässt sich nicht erzwingen.
Aber sie kann geteilt werden.
Und je mehr Menschen mit dem in Berührung kommen, wofür sie wirklich brennen, desto mehr Wissen, Können und Gestaltungskraft entstehen.
Wenn Menschen durch Begeisterung, Spiel, Beziehung und unmittelbare Erfahrung lernen, dürfen wir Lernen nicht auf Schulen, Seminare oder digitale Kurse begrenzen.
Ein Hof ist ein Lernraum.
Eine Küche ist ein Lernraum.
Eine Werkstatt ist ein Lernraum.
Ein Garten ist ein Lernraum.
Ein Verteillager ist ein Lernraum.
Ein Wald ist ein Lernraum.
Eine Softwareentwicklung ist ein Lernraum.
Eine Begegnung zwischen Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen ist ein Lernraum.
Überall dort, wo Menschen etwas wirklich tun, beobachten, ausprobieren und miteinander teilen, kann Lernen geschehen.
Dafür braucht es nicht immer ein festgelegtes Lernziel.
Es braucht Menschen, die etwas können und bereit sind, es zu zeigen.
Es braucht Zugang zu wirklichen Tätigkeiten, Werkzeugen und Zusammenhängen.
Und es braucht die Freiheit, einer eigenen Frage lange genug folgen zu dürfen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur:
Was müssen Menschen lernen, damit unsere bestehenden Systeme weiter funktionieren?
Wir können auch fragen:
Wie gestalten wir unsere Gesellschaft, unsere Bildung und unsere Arbeitswelt so, dass Menschen sich wieder begeistern, eigenständig lernen und ihre Fähigkeiten in die Welt bringen können?
Vielleicht liegt genau darin eine der wichtigsten kulturellen Aufgaben unserer Zeit:
Nicht immer mehr Wissen in Menschen hineinzupressen.
Sondern wieder einen lebendigen Boden zu schaffen.
Einen Boden, auf dem Neugier Wurzeln schlägt.
Auf dem Erfahrung wachsen darf.
Auf dem Menschen einander etwas zeigen.
Und auf dem aus Begeisterung jene Kraft entsteht, durch die wir uns selbst und unsere Welt immer wieder neu kennenlernen.
Grundlage dieses Beitrags ist das Transkript des Vortrags beziehungsweise Podcasts „Wie Begeisterung Lernen und Entwicklung fördert“ von André Stern.
Die darin genannten Häufigkeiten kindlicher und erwachsener Begeisterung werden im Transkript nicht mit einer überprüfbaren wissenschaftlichen Quelle verbunden. Sie werden hier deshalb als Aussagen André Sterns und als anschauliche Zuspitzung wiedergegeben, nicht als abschließend belegte Messwerte.
André Stern spricht im Transkript von „neuroplastischen Botenstoffen“. Eine ausdrückliche Festlegung auf Dopamin nimmt er dort nicht vor.
Zur Nonnenstudie:
↑ Eine Ebene höher: Kulturelle & soziale Dimensionen von Wirtschaft
Von Felix Schröder, mit Unterstützung von KI (ChatGPT)
Erstellt am 21. September 2026 · Zuletzt aktualisiert am 11. Oktober 2026
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