Stell dir ein mehrstufiges Verrechnungsgeldsystem im TEIKEI-Netzwerk vor, das lokale Gemeinschaften, regionale Cluster und das gesamte europäische Netzwerk finanziell und organisatorisch verbindet.
Dieses Teilgeld-System basiert auf der TEIKEI-Agora – dem digitalen Konto- und Abrechnungssystem – und ermöglicht es, Teilnehmende für ihre Beiträge zu belohnen, Ungleichgewichte auszugleichen und Solidarität über alle Ebenen hinweg zu leben.
Im Folgenden skizzieren wir visionär, aber strukturell schlüssig, wie dieses dreistufige System auf lokaler, regionaler und europaweiter Ebene funktioniert und welche Probleme es löst.
Auf lokaler Ebene – an einzelnen Abholstellen wie #TEIKEIPickup, #TEIKEIFarmPickup oder #TEIKEIShop – kommt ein community-internes Teilgeld zum Einsatz.
Hier organisieren sich Menschen vor Ort, um gemeinsam Lebensmittel zu beziehen und Aufgaben zu teilen. Das Teilgeld fungiert als Tausch- und Anerkennungseinheit für Aufwand, Organisation und Zugang zu Lebensmitteln innerhalb der Gemeinschaft.
Agora-Konten für alle Mitglieder
Jedes Mitglied einer TEIKEI-Gemeinschaft verfügt über ein digitales Agora-Konto, auf dem interne Gutschriften verbucht werden.
Diese Gutschriften (auch „Teilgeld“) repräsentieren geleistete Beiträge oder Ansprüche auf Gemeinschaftsleistungen.
Beispiel:
Eine Organisatorin erhält für das Koordinieren einer Bestellrunde 50 Euro interne Gutschriften, die auf ihrem Konto gutgeschrieben werden.
Gutschriften durch Engagement (Stundenmodell)
Lokale Aufgaben – vom Auspacken der Kisten über die Verteilung der Produkte bis zur Lagerung und Reinigung – werden mit Teilgeld honoriert.
Arbeitsstunden werden transparent erfasst und in Gutschriften umgewandelt. So kann etwa eine Stunde Mithilfe beim Verteilen als eine bestimmte Anzahl an Teilgeld-Einheiten gutgeschrieben werden.
Dieses Stundenmodell macht sichtbar, wer wie viel beiträgt, und honoriert ehrenamtliches Engagement direkt auf dem Agora-Konto der Person.
Die Plattform unterstützt dies bereits konzeptionell: In internen Diskussionen wurde angedacht, die geleisteten Stunden und bereitgestellten Räume an Abholorten nicht mehr in Euro, sondern in einer lokalen Währungseinheit zu vergüten.
Diese lokale Währung kann symbolisch z.B. an regenerative Projekte geknüpft sein (etwa „Kompost-Meter“).
Teilgeld als Zahlungsmittel vor Ort
Mitglieder können ihre erworbenen Gutschriften nutzen, um einen Teil der Kosten ihrer Lebensmittel mit Teilgeld zu bezahlen.
Ein Teil des Produktpreises wird so durch interne Credits gedeckt, der Rest in Euro. Dieses hybride Zahlungsmodell senkt die effektive Euro-Belastung der Mitglieder.
Insbesondere Menschen mit geringem Einkommen bekommen dadurch Zugang zu hochwertigen TEIKEI-Lebensmitteln, indem sie mit Arbeit statt mit Geld bezahlen.
Wer wenig Geld hat, bringt sich mehr in die Gemeinschaftsarbeit ein und „verdient“ sich dadurch seinen Anteil an den Produkten.
Lokale Tauschlogik und Solidarität
Überschüssige Gutschriften können innerhalb der Gemeinschaft weitergegeben oder getauscht werden.
Wenn z.B. eine Organisatorin mehr Teilgeld angesammelt hat, als sie selbst benötigt, kann sie diese Credits an andere Mitglieder weitergeben – etwa im Tausch dafür, dass jemand anders einen Fahrdienst oder eine Vertretung übernimmt.
Das Teilgeld wird so zur echten lokalen Komplementärwährung, die auf Vertrauen und gemeinsamen Werten basiert.
Sie bleibt lokal zirkulierend und fördert Solidarität: Hilfeleistungen und Ressourcen-Sharing vor Ort werden erleichtert, ohne dass sofort Euros fließen müssen.
Auf der regionalen Ebene erweitert sich der Anwendungsbereich des Teilgeld-Systems von einzelnen Abholorten auf Cluster von Gemeinschaften oder Liefer-Netzwerke.
Hier koordinieren mehrere nahegelegene TEIKEI-Gruppen ihre Warenflüsse, Infrastruktur und Unterstützung – und rechnen diese Kooperation ebenfalls mit dem internen Verrechnungsgeld ab.
Cluster-Konten und regionales Clearing
Mehrere Abholorte oder Gemeinschaften einer Region können ein gemeinsames Cluster-Konto führen, in dem regionale Gutschriften verbucht werden.
Liefert etwa ein TEIKEI-Bauernhof oder ein regionales Lager Waren an verschiedene Gemeinschaften, so werden die anteiligen Kosten und Aufwände intern in Teilgeld festgehalten statt jede Transaktion in Euro abzurechnen.
Beispiel:
Eine Liefergemeinschaft organisiert den Transport von Olivenöl-Kanistern für fünf benachbarte Dörfer.
Jede Gemeinde erhält die Ware und schreibt der Liefergemeinschaft entsprechende Credits gut.
Die eigentliche Euro-Zahlung an den Produzenten erfolgt zentral, während die Verteilung der Kosten innerhalb des Clusters über das interne Guthabensystem ausgeglichen wird.
Infrastruktur und gemeinsame Projekte
Wenn mehrere lokale Gruppen gemeinsam in Infrastruktur investieren (z.B. ein Kühlraum, ein Verarbeitungsgerät oder ein Verteilfahrzeug), kann das Teilgeld-System die Einlagen und Nutzenanteile abbilden.
Jede Gemeinschaft leistet einen Beitrag – sei es in Euro, Arbeitskraft oder durch bereitgestelltes Material – und erhält dafür Teilgeld-Gutschriften auf dem Regionalkonto.
Nutzt nun eine Gruppe z.B. den gemeinsamen Kühlraum, „bezahlt“ sie die Nutzung in Teilgeld an die anderen, die investiert haben.
So werden Aufwände und Nutzen fair verteilt, ohne immer sofort Euro abrechnen zu müssen.
Ausgleich zwischen Gemeinden
Regionale Ungleichgewichte können besser abgefedert werden.
Hat eine Gemeinschaft Überschuss (etwa unverteilte Lebensmittel oder freie Helfer-Kapazitäten) und unterstützt eine andere Gemeinschaft damit, fließt Teilgeld als Anerkennung.
Umgekehrt kann eine Gemeinschaft mit Engpässen sich Unterstützung „leisten“, indem sie dafür regionale Credits zusagt.
Dieser Tausch auf Vertrauensbasis stärkt den Zusammenhalt in der Region.
Rollen und Leistungen – vom Fahrdienst über Lagerhaltung bis zur Kommunikation – werden transparent nachvollziehbar.
Beispiel – regionale Liefergemeinschaft
Mehrere TEIKEI-Abholorte tun sich zusammen, um direkt eine LKW-Ladung Zitrusfrüchte aus dem Süden zu beziehen.
Eine Gruppe übernimmt die Organisation und Vorfinanzierung.
Im regionalen Teilgeld-System erhalten sie dafür Gutschriften von den mitversorgten Orten, sobald die Lieferung verteilt ist.
Die mitversorgten Gemeinschaften begleichen diese Gutschriften durch eigene Beiträge – etwa durch Transportorganisation oder zukünftige Erntebeiträge.
Ohne Euro-Fluss wird so auf Gegenseitigkeit die Last verteilt.
In der dritten Ebene spannt das Verrechnungsgeldsystem den Bogen über das gesamte TEIKEI-Netzwerk in Europa.
Hier fungiert das Teilgeld als Clearing-Einheit zwischen Regionen und als Instrument, um Überschüsse oder Defizite auszugleichen sowie Kooperation über weite Entfernungen zu honorieren.
Netzwerkweite Gutschriften
Jede Region (oder Landesorganisation) hat ein Konto im europäischen Clearing-System.
Liefert beispielsweise eine spanische TEIKEI-Gemeinschaft Überschüsse an nördliche Regionen, so erhält sie dafür europaweite Teilgeld-Credits.
Diese können später für Unterstützung aus dem Netzwerk eingesetzt werden – Maschinen, Saatgut oder Helfer*innen.
Clearing zwischen Regionen
Regionen, die mehr erhalten als sie geben, bauen ein negatives Teilgeld-Konto auf.
Regionen mit Überschüssen sammeln Guthaben.
Dieses Saldo wird regelmäßig ausgewertet und durch reale Leistungen oder solidarische Beiträge ausgeglichen – nicht durch harten Schuldeneinzug.
Kooperation und Wissensausgleich
Auch immaterielle Beiträge fließen ein.
Entwickelt eine Regionalgruppe ein neues Tool oder Wissen, das allen nützt, kann dies durch Teilgeld honoriert werden.
Andere Regionen überweisen freiwillig Credits als Anerkennung.
Technische Umsetzung – dezentrale Tokens
Die TEIKEI-Agora ist perspektivisch so angelegt, dass lokale Teilgeld-Token und ein übergreifendes Token-System parallel existieren können.
Jede Gemeinschaft nutzt ihr eigenes Token, die über ein gemeinsames Clearing interoperabel bleiben.
Perspektivisch können diese Token an reale Werte gekoppelt werden – etwa Humus-Token für Bodenaufbau.
Ein solches mehrstufiges Verrechnungssystem löst zentrale Herausforderungen im Netzwerk:
Ausgleich von Ungleichgewichten
Beiträge und Nutzen werden sichtbar und fair ausgeglichen.
Zugang zu hochwertigen Lebensmitteln
Teilhabe wird durch Engagement ermöglicht, nicht durch Kaufkraft begrenzt.
Transparenz in der Arbeitsteilung
Sichtbare und unsichtbare Arbeit wird gleichermaßen anerkannt.
Fairer Ausgleich zwischen Rollen
Produzierende, Organisierende, Logistik, IT und Abholung werden vergleichbar honoriert.
Stärkung von Gemeinschaft und Resilienz
Das Netzwerk wird krisenfester, solidarischer und langfristig tragfähig.
Diese visionäre Skizze zeigt, welches Potenzial in einem mehrstufigen TEIKEI-Verrechnungssystem steckt.
Es ist kein starres technisches Konstrukt, sondern ein lernendes System, das die TEIKEI-Grundprinzipien auf wirtschaftlicher Ebene weiterträgt – hin zu einem Netzwerk, das gemeinsam wirtschaftet, teilt und füreinander einsteht.