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Der Workshop lädt dazu ein, die eigene Region als Lebensmittelnetzwerk und als mögliche Versorgungslandschaft zu betrachten.
Im Mittelpunkt steht die Frage:
Wie können wir lokal verankerte Lebensmittelnetzwerke aufbauen, sie im Inland und europaweit miteinander verbinden und dabei die Ressourcen, Erfahrungen und Netzwerke der beteiligten Menschen sinnvoll zusammenführen?
Lebensmittelversorgung entsteht nie nur an einem einzelnen Ort.
Ein Lieblingsessen kann Zutaten aus der eigenen Region enthalten, aber ebenso Olivenöl aus Griechenland, Kaffee aus einer tropischen Erzeugungsregion, Gewürze aus anderen Klimaräumen oder Getreide aus einer benachbarten Landschaft.
Schon ein einziges Gericht zeigt deshalb, wie eng lokale Versorgung und überregionale Beziehungen miteinander verbunden sind.
Eine mögliche gemeinsame Orientierung lautet:
As localised as possible, as globalised as necessary.
So viel wie möglich soll lokal getragen werden.
So viel wie notwendig darf überregional und international verbunden sein.
Dabei geht es nicht darum, regionale Versorgung gegen internationale Zusammenarbeit auszuspielen.
Es geht um ein Lebensmittelsystem, in dem Regionen ihre eigenen Grundlagen stärken und zugleich verlässlich mit anderen Regionen kooperieren.
In vielen Regionen bestehen bereits wichtige Elemente einer zukünftigen Versorgung:
Diese Elemente bilden jedoch nicht automatisch ein gemeinsames Lebensmittelnetzwerk.
Oft bestehen sie nebeneinander, ohne dauerhaft miteinander verbunden zu sein.
Ein Hof produziert Gemüse, findet aber keine verlässliche Verteilstruktur.
Eine Gemeinschaft möchte regionale Lebensmittel beziehen, kennt jedoch die Erzeugerinnen und Erzeuger der Umgebung nicht.
Ein Verarbeitungsbetrieb könnte regionale Produkte veredeln, ist aber nicht in die Versorgungsplanung eingebunden.
Eine Initiative besitzt viel Wissen, aber keine gemeinsame Übersicht über andere Akteure.
Eine Region verfügt über Höfe, Lager, Fahrzeuge und engagierte Menschen, aber es fehlt eine koordinierende Verbindung.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur:
Welche Strukturen existieren bereits?
Sondern auch:
Welche Verbindungen fehlen, damit aus einzelnen Aktivitäten ein tragfähiges Lebensmittelnetzwerk entstehen kann?
Lebensmittelnetzwerke bestehen nicht allein aus Gebäuden, Fahrzeugen, Software oder Geld.
Sie bestehen vor allem aus Beziehungen.
Menschen müssen einander kennen, sich abstimmen, Verantwortung übernehmen und gemeinsam Entscheidungen treffen können.
Dazu gehören Beziehungen zwischen:
Diese Beziehungen sind selbst ein Teil der Infrastruktur.
Fehlt Vertrauen, bleiben vorhandene Ressourcen oft ungenutzt.
Fehlt Koordination, entstehen doppelte Arbeit, Versorgungslücken und unnötige Transporte.
Fehlt eine gemeinsame Orientierung, arbeiten Menschen möglicherweise am gleichen Ziel, ohne voneinander zu wissen.
Ein Lebensmittelnetzwerk wird zu einer Versorgungslandschaft, wenn die verschiedenen Elemente einer Region dauerhaft miteinander in Beziehung gebracht werden.
Eine Versorgungslandschaft umfasst nicht nur Landwirtschaft.
Sie verbindet:
Dabei ist eine Versorgungslandschaft keine starre Verwaltungsgrenze.
Sie kann sich an geografischen, ökologischen, kulturellen und versorgungspraktischen Zusammenhängen orientieren.
Flusstäler, Bergregionen, Küstenlandschaften, Ballungsräume, historische Kulturräume oder grenzüberschreitende Regionen können jeweils eigene Versorgungszusammenhänge bilden.
Eine solche Landschaft muss nicht alles selbst erzeugen.
Sie sollte jedoch wissen:
Lokale Versorgung bedeutet nicht vollständige Selbstversorgung.
Viele Lebensmittel können aus klimatischen, geografischen oder kulturellen Gründen nicht überall erzeugt werden.
Olivenöl, Kaffee, Kakao, Zitrusfrüchte, Gewürze oder bestimmte Getreide- und Obstarten stammen aus Regionen, die dafür besonders geeignet sind.
Deshalb braucht ein tragfähiges Lebensmittelsystem sowohl Versorgungsregionen als auch Erzeugungsregionen.
Versorgungsregionen versuchen, regionale Erzeugung und regionalen Bedarf möglichst sinnvoll miteinander zu verbinden.
Erzeugungsregionen produzieren bestimmte Lebensmittel deutlich über den eigenen Bedarf hinaus und können andere Regionen versorgen.
Entscheidend ist, wie diese Beziehungen gestaltet werden.
Überregionale Versorgung sollte nicht auf anonymen Warenströmen und einseitigen Abhängigkeiten beruhen.
Sie kann stattdessen auf langfristigen Beziehungen zwischen Regionen, Höfen, Gemeinschaften und Verteilstrukturen aufgebaut werden.
So entsteht kein zentralisiertes System, sondern ein Netzwerk eigenständiger Landschaften.
Jede Person bringt etwas mit, das für ein Lebensmittelnetzwerk wichtig sein kann.
Das können sein:
Deshalb beginnt der Workshop nicht mit einer fertigen Strategie.
Er beginnt mit den Menschen im Raum.
Die zentrale Frage lautet:
What’s your connection, contribution or wish to a Common Food Web in Europe?
Welche Verbindung besteht bereits?
Welcher Beitrag ist möglich?
Und welcher Wunsch verbindet sich mit einem gemeinsamen Food Web in Europa?
Viele Projekte entfalten bereits Wirkung.
Die nächste Frage lautet nicht automatisch, wie sie möglichst schnell wachsen können.
Wirkung kann auf unterschiedliche Weise vergrößert werden.
Die Wirkung vertieft sich in Beziehungen, Kultur, Böden, Lernprozessen und regionaler Verantwortung.
Mehr Menschen, Höfe, Gemeinschaften oder Institutionen werden erreicht und beteiligt.
Ein Ansatz wird nicht einfach kopiert, sondern kann in anderen Regionen eigenständig weiterentwickelt werden.
Daraus ergeben sich weitere Fragen:
What would it look like if you were scaling your impact even more?
Where are the limitations to be solved next step to scale wide, deep or out for real?
With whom would you work when scaled?
Die Antwort liegt häufig nicht in einer einzelnen Organisation.
Sie liegt in neuen Kooperationen und in der Verbindung bereits bestehender Strukturen.
Nicht jede vorhandene Struktur trägt automatisch die gewünschte Entwicklung.
Deshalb wird im Workshop auch gefragt:
On which structures would you build and why?
Which structures would you exclude and why?
Mögliche tragfähige Strukturen können sein:
Gleichzeitig können Strukturen problematisch sein, wenn sie:
Zwischen vorhandenen Strukturen liegen häufig die entscheidenden Missing Links.
Ein Missing Link kann sein:
Die TEIKEI Agora wird im Workshop als konkret vorhandener Praxisfall betrachtet.
Sie ist keine fertige Gesamtlösung für regionale Lebensmittelversorgung.
Sie kann jedoch als digitale Infrastruktur dazu beitragen, unterschiedliche Elemente eines Lebensmittelnetzwerks miteinander zu koordinieren.
Dazu gehören beispielsweise:
Die Software ersetzt keine Beziehungen.
Sie ersetzt auch keine regionale Verantwortung.
Sie kann jedoch dabei helfen, Beziehungen und Versorgungsprozesse sichtbar, nachvollziehbar und gemeinsam organisierbar zu machen.
Damit stellen sich zugleich grundlegende Fragen:
Die TEIKEI Agora soll deshalb nicht nur funktional betrachtet werden.
Auch ihre Governance, Eigentumsstruktur und langfristige Verantwortung gehören zur Infrastrukturfrage.
Der Workshop richtet den Blick auf das Jahr 2030.
Gemeinsam fragen wir:
Dabei geht es nicht um eine perfekte Zukunftszeichnung.
Es geht darum, eine größere gemeinsame Vorstellung zu öffnen.
Eine Vorstellung, in der Menschen ihre Regionen nicht nur als Orte des Konsums betrachten, sondern als Landschaften gemeinsamer Verantwortung.
Eine Vorstellung, in der Höfe, Gemeinschaften, Verarbeitung, Logistik, Wissen und digitale Infrastruktur zusammengedacht werden.
Eine Vorstellung, in der lokale Eigenständigkeit und europaweite Zusammenarbeit einander nicht widersprechen, sondern ergänzen.
Vor dem Workshop kannst Du für Dich überlegen:
Der Aufbau lokaler Lebensmittelnetzwerke beginnt nicht erst dann, wenn alle notwendigen Strukturen vorhanden sind.
Er beginnt dort, wo Menschen sichtbar machen, was bereits existiert, welche Beziehungen sie mitbringen und welche Verbindung als Nächstes entstehen kann.
Die zentrale Verantwortung liegt nicht bei einer einzelnen Organisation oder Software.
Sie liegt bei den Menschen und Regionen, die bereit sind, Versorgung gemeinsam zu gestalten.
As localised as possible, as globalised as necessary.