Wirtschaft & Vision › FairShare · 7 Min. Lesezeit
Die FairShare-Rechnung ist kein Rechentrick und kein nachträglicher Bonus auf ein ansonsten unverändertes System. Sie wird bei TEIKEI nur deshalb möglich, weil die Struktur selbst anders aufgebaut ist: Grundkostenbeteiligungen tragen die gemeinsame Grundlage, Ernte und Bedarf werden weit im Voraus abgestimmt, und auch die Logistik wird nicht als fremder Kostenblock behandelt, sondern gemeinschaftlich organisiert.
Dadurch entsteht eine andere Preisarchitektur. Der Endpreis muss nicht in erster Linie den Zwängen des Marktes folgen, sondern kann so gestaltet werden, dass ein deutlich größerer Anteil direkt in Anbau und Produktion fließt.
Genau das macht die folgende Beispielrechnung sichtbar:
Gleiche Orangen. Gleicher Endpreis. Gleicher Hof.
Und trotzdem kommen im einen Modell 4.400 Euro und im anderen 19.600 Euro in Anbau und Produktion an.
→ Wie entsteht die FairShare-Rechnung
Ausgangspunkt sind 10.000 kg Orangen vom Peloponnes.
In beiden Modellen zahlen die Menschen am Ende:
3,92 Euro pro kg
Verglichen werden:
Der entscheidende Unterschied:
Im ersten Modell bleiben 0,44 Euro pro kg für den Hof.
Im TEIKEI-Modell fließen 1,96 Euro pro kg in Anbau und Produktion.
Der Unterschied entsteht also nicht dadurch, dass die Mitglieder mehr bezahlen.
Der Unterschied entsteht dadurch, wie derselbe Endpreis verteilt wird.
Für die Berechnung nehmen wir einen gängigen Preis vor Ort in Bioqualität von 0,40 Euro pro kg an.
Im ersten Modell erhält der Hof während der Saison diesen Marktpreis. Am Ende der Saison kommt ein Bonus von 10 % hinzu.
Das ergibt:
Für 10.000 kg Orangen ergibt das:
10.000 × 0,44 Euro = 4.400 Euro
Der Endpreis beträgt 3,92 Euro pro kg.
Auf dem Hof kommen nach Bonus 0,44 Euro pro kg an.
Das bedeutet:
Die Rechnung lautet:
3,92 / 0,44 = 8,91
Von jedem Euro, den die Teilnehmer:innen bezahlen, kommen damit rund 11 Cent bei Anbau und Produktion an.
Jetzt rechnen wir mit dem exakt gleichen Endpreis von 3,92 Euro pro kg.
Für die europa-regionale Versorgung setzen wir eine FairShare-Rate von 2,0 an.
Das bedeutet:
50 % des Endpreises fließen in Anbau und Produktion.
Die Rechnung lautet:
3,92 / 2,0 = 1,96 Euro
Der Hof erhält damit:
1,96 Euro pro kg
Für 10.000 kg Orangen ergibt das:
10.000 × 1,96 Euro = 19.600 Euro
Damit ergibt sich:
| Modell | Endpreis pro kg | Betrag für den Hof pro kg | Anteil für den Hof | FairShare-Rate | Betrag für 10.000 kg |
|---|---|---|---|---|---|
| Marktpreis plus Saisonbonus | 3,92 € | 0,44 € | 11,22 % | 8,91 | 4.400 € |
| TEIKEI mit FairShare | 3,92 € | 1,96 € | 50 % | 2,0 | 19.600 € |
Der Endpreis ist identisch.
Aber der Betrag, der in Anbau und Produktion ankommt, steigt von:
4.400 Euro auf 19.600 Euro.
Das sind:
15.200 Euro mehr für den Hof.
Oder anders ausgedrückt:
Bei exakt demselben Endpreis erhält der Hof im TEIKEI-Modell rund 4,45-mal so viel Geld.
Hier lässt sich die strukturelle Frage besonders deutlich erkennen.
Die Teilnehmer:innen bezahlen in beiden Fällen:
3,92 Euro pro kg
Im ersten Modell:
Im TEIKEI-Modell:
Damit wird die entscheidende Frage sichtbar:
Nicht nur: Wie viel bezahlen Menschen für Lebensmittel?
Sondern:
Wo landet das Geld, das sie ohnehin bezahlen?
Hier geht es nicht um einen zusätzlichen Bonus.
Und auch nicht darum, Lebensmittel einfach teurer zu machen.
Es geht darum, denselben vorhandenen Geldstrom anders zu organisieren.
Das Modell mit Marktpreis plus Bonus beginnt beim Marktpreis des Produktes und ergänzt diesen anschließend.
TEIKEI beginnt mit einer anderen Frage:
Wie muss der gesamte Endpreis verteilt werden, damit Landwirtschaft, Logistik und gemeinschaftliche Infrastruktur gemeinsam tragfähig werden können?
Zur Veranschaulichung rechnen wir mit einem gedachten Orangenbetrieb mit:
Diese Zahl dient lediglich als Rechenbeispiel und nicht als Aussage über einen durchschnittlichen griechischen Orangenbetrieb.
155.000 × 0,44 Euro = 68.200 Euro
155.000 × 1,96 Euro = 303.800 Euro
303.800 Euro – 68.200 Euro = 235.600 Euro
Der gleiche Absatz und der gleiche Endpreis führen damit zu einem völlig anderen wirtschaftlichen Ergebnis für die Produktion.
Ein höherer Anteil für Anbau und Produktion bedeutet nicht automatisch, dass dieses Geld zu zusätzlichem privaten Einkommen wird.
Es kann vielmehr ermöglichen, dass ein Hof überhaupt wieder Handlungsspielraum bekommt.
Zum Beispiel für:
Damit verändert sich die wirtschaftliche Frage.
Nicht mehr ausschließlich:
Wie viel Ertrag muss dieser Hektar bringen, damit der Betrieb überlebt?
Sondern zunehmend:
Wie kann dieser Ort langfristig Boden, Lebensmittel, Landschaft und menschliche Lebensgrundlagen hervorbringen?
Das Stromdiagramm zeigt dieselbe Ausgangslage mit zwei unterschiedlichen Preislogiken.
In beiden Fällen:
→ 10.000 kg Orangen
→ 3,92 € Endpreis pro kg
→ 39.200 € Gesamtumsatz
Marktpreis plus Bonus
→ 0,44 € pro kg für den Hof
→ 4.400 € gesamt
→ FairShare 8,91
→ rund 11 % für den Hof
TEIKEI mit FairShare
→ 1,96 € pro kg für Anbau und Produktion
→ 19.600 € gesamt
→ FairShare 2,0
→ 50 % für Anbau und Produktion
Gleicher Endpreis – aber eine vollkommen andere Verteilung.
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↑ Eine Ebene höher: FairShare
Von Felix Schröder, mit Unterstützung von KI (ChatGPT)
Erstellt am 27. März 2026 · Zuletzt aktualisiert am 13. Oktober 2026
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