Stand: Dezember 2025
Dieser Beitrag ist Teil einer offenen Dokumentation dessen, was im TEIKEI Netzwerk aktuell geschieht. Er soll nachvollziehbar machen, mit welchen strukturellen Realitäten gemeinschaftlich organisierte Lebensmittelversorgung heute konfrontiert ist – und warum die Arbeit an unabhängigen, beziehungsbasierten Strukturen so zentral bleibt.
Im Dezember 2025 kam es bei TEIKEI zu erheblichen organisatorischen und logistischen Verwerfungen. Diese waren nicht das Ergebnis interner Fehlentscheidungen, sondern Ausdruck eines strukturellen Konflikts, der exemplarisch zeigt, unter welchen Machtverhältnissen europäische Lebensmittelinfrastruktur heute funktioniert.
Über mehrere Jahre hinweg nutzte TEIKEI in Griechenland dieselben externen Sammel- und Packstrukturen wie auch andere Akteure im Markt, unter anderem Gebana. Diese parallele Nutzung der Infrastruktur war allen Beteiligten bekannt.
Zwischen TEIKEI und Gebana bestand innerhalb der dreijährigen Zusammenarbeit mit Anyfion (Partner in Nafplio, Peloponnes, Griechenland) zu keinem Zeitpunkt eine direkte Zusammenarbeit, Abstimmung oder ein persönlicher Kontakt. Gleichzeitig gab es jedoch keinerlei Konflikte. Die gleichzeitige Nutzung der Infrastruktur funktionierte über diesen Zeitraum hinweg stabil und wurde von TEIKEI wie auch von Anyfion ausdrücklich begrüsst. Gemeinsame Arbeitsansätze innerhalb dieser Struktur wurden verfolgt und vertieft.
Im Dezember 2025 änderte sich diese Situation abrupt. Ohne vorherige Gespräche oder eine Kontaktaufnahme mit TEIKEI kommunizierte Gebana gegenüber der betreffenden Packstation in Nafplio, dass sie nicht akzeptieren, dass über diese Infrastruktur parallel Produkte für TEIKEI abgewickelt werden.
Diese Ansage erfolgte nicht an TEIKEI selbst, sondern direkt an die Packstation. Die Botschaft war eindeutig: TEIKEI muss gehen und zwar sofort.
Da diese Packstation zu einem sehr großen Teil für Gebana arbeitet, ist sie wirtschaftlich stark von diesem Verhältnis abhängig. Für die Betreiber bestand faktisch kein Verhandlungsspielraum. In der Konsequenz wurde TEIKEI aus dieser Infrastruktur ausgeschlossen.
Die Auswirkungen waren erheblich.
Für die beteiligten Höfe auf dem Peloponnes bedeutete dies, dass sie ihre Produkte von einem Moment auf den anderen nicht mehr über TEIKEI in die Regionen bringen konnten. Für alle bestehenden Gemeinschaften war plötzlich nicht klar, ob es noch Lieferungen geben kann und wie die vorausgezahlten Ernteanteile abgewickelt werden können.
Für das TEIKEI Koordinations-Team bedeutete es, dass innerhalb kürzester Zeit alternative Strukturen aufgebaut werden mussten, um die Abwicklung überhaupt aufrechterhalten zu können. Ein Großteil der verfügbaren Kapazitäten floss in dieser Phase in Stabilisierung, Umorganisation und den Aufbau neuer Abläufe.
Dadurch blieben mehrere inhaltliche, strukturelle und kommunikative Themen liegen, die unabhängig davon bereits in Arbeit waren. Diese Verzögerungen sind kein Ausdruck mangelnder Priorisierung, sondern direkte Folge dieser extern ausgelösten Eskalation.
Die Ereignisse im Dezember waren für TEIKEI ein deutlicher Weckruf. Sie machen sichtbar, wie konzentriert Macht über Lebensmittelströme ist, wenn zentrale Infrastrukturen von wenigen kapitalstarken Akteuren dominiert werden.
Entscheidungen, die weit entfernt von Höfen, Böden und Gemeinschaften getroffen werden, können innerhalb kürzester Zeit funktionierende Beziehungsnetzwerke aushebeln – selbst dann, wenn diese über Jahre hinweg stabil, transparent und konfliktfrei gearbeitet haben.
Für TEIKEI bestätigt dieser Vorfall die grundlegende Ausrichtung des Netzwerks:
Lebensmittelversorgung darf nicht ausschließlich kapitalstarken Strukturen und zentralen Entscheidungsträgern überlassen werden. Sie braucht Beziehung, Transparenz, geteilte Verantwortung und möglichst unabhängige, gemeinschaftlich getragene Infrastruktur.
Die Ereignisse im Dezember 2025 machen deutlich, dass der Aufbau solcher Strukturen kein idealistisches Beiwerk ist, sondern eine Voraussetzung dafür, langfristig handlungsfähig zu bleiben – im Sinne der Höfe, der Gemeinschaften und einer lebendigen, solidarischen Versorgungskultur.
Dieser Beitrag versteht sich daher nicht als Rückblick allein, sondern als Teil eines laufenden Lern- und Entwicklungsprozesses für ein europaweites, solidarisches Lebensmittelnetzwerk.