Wirtschaft & Vision › Wirtschaft verstehen · 4 Min. Lesezeit
Mit Dank an Walter Böhny, von dem der Impuls zu diesem Eintrag stammt. Walter ist ein Freund und Berater von Felix Schröder und dadurch auch der Arbeit von TEIKEI auf dem Peloponnes und in der Schweiz.
Geben, um zu geben, statt geben, um zu nehmen.
So lässt sich die pinu'u-Vision in einem Satz fassen. Sie beschreibt kein Programm und keine Methode. Sie beschreibt eine Haltung, aus der heraus Menschen handeln.
Das Wort pinu'u wird den Hopi zugeschrieben. Es soll zwei Bedeutungen haben:
Die erste Bedeutung erinnert an den hebräischen Gottesnamen Jahwe im Alten Testament: «Ich bin, der ich bin.»
Diese Deutung ist mündlich überliefert, von jemandem, der zwei Jahre bei den Hopi gelebt hat. Sie ist nicht anhand eines Wörterbuchs der Hopi-Sprache geprüft.
Der heutige Welthandel folgt der umgekehrten Haltung: Er gibt, um zu nehmen.
Im Lebensmittelbereich wird ein Wort oft verwendet: fair.
Die pinu'u-Vision stellt dieses Wort in Frage. Fair ist ein Begriff, den wir Menschen uns geschaffen haben. Er gibt uns das Gefühl, keiner Ungerechtigkeit ausgeliefert zu sein. Die Natur, auch die menschliche Natur, kennt jedoch weder Gerechtigkeit noch Fairness.
In der Welt, in der wir leben, kann Handel deshalb kaum fair sein.
Auch andere gehen mit dem Wort vorsichtig um. Das Unternehmen gebana bezeichnet seine Produkte nicht mehr als «fair» und versteht fairen Handel als einen Prozess, der nie abgeschlossen ist: Fair trade is a process (extern).
Ein Handel, der dem nahekommt, was wir fair nennen, braucht eine andere Grundlage:
Die heutige Fixierung auf den Preis der Ware entwertet den Menschen. Wer billig einkauft, macht Menschen zu billiger Ware. Wo nur das Preis-Leistungs-Verhältnis zählt, verliert der Mensch seinen Wert.
Das Schaubild stellt die beiden Haltungen gegenüber:
Links (rot) die Haltung «Geben, um zu nehmen», rechts (grün) die Haltung «Geben, um zu geben». Jede Spalte liest sich von oben nach unten.
Lebensmittel in einer menschlich wertschätzenden Art von den Produzent:innen zu den Menschen zu bringen, die sie essen, gelingt nur mit viel Enthusiasmus, und auch dann nur ansatzweise.
Im Wort Enthusiasmus steckt das griechische «theos», Gott. Enthusiasmus meint das Göttliche in Dir.
Darin liegt auch eine Gefahr. Wird dieses Göttliche als Aushängeschild gebraucht, verkehrt sich die Absicht in ihr Gegenteil und wird wertlos. Die Geschichte der Religionen kennt dafür viele Beispiele. Der Kapitalismus lässt sich als die globalisierte Religion unserer Zeit verstehen.
Menschen, die von einer pinu'u-Vision beseelt sind, können viel zum menschlichen Wohlbefinden in dieser Welt beitragen.
Eine Vision, die andere erst im Nachhinein am Handeln erkennen, kann niemand für sich ausrufen. Das gilt auch für TEIKEI. Wer viel über seine Werte schreibt, läuft Gefahr, sie zum Programm zu machen.
Die pinu'u-Vision ist deshalb kein Ziel, das TEIKEI für sich in Anspruch nimmt. Sie ist ein Maßstab, an dem sich das eigene Handeln messen lässt:
Die pinu'u-Vision berührt Fragen, die im Wiki an anderer Stelle beschrieben sind:
Die Links dazu stehen am Ende dieser Seite.
Wer gibt, um zu geben, stellt den Menschen in den Mittelpunkt und nicht den Preis der Ware.
Geben, um zu geben.
↑ Eine Ebene höher: Wirtschaft verstehen
Von Felix Schröder, mit Unterstützung von KI (Claude)
Erstellt am 10. Oktober 2026 · Zuletzt aktualisiert am 11. Oktober 2026
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