FairShare bezeichnet eine Art, Preise und Wertschöpfung so zu betrachten, dass sichtbar wird, welcher Anteil eines Endpreises tatsächlich bei Anbau und Produktion ankommt.
Der Begriff beschreibt also nicht einfach einen Verkaufspreis, sondern eine Transparenzlogik. Er hilft dabei zu verstehen, wie sich ein Preis zusammensetzt und wie stark ein Versorgungssystem die produzierenden Betriebe wirklich trägt.
In vielen Lebensmittelsystemen ist zwar sichtbar, was ein Produkt am Ende kostet, aber nicht, wie viel davon tatsächlich beim Hof oder beim produzierenden Betrieb ankommt.
FairShare setzt genau hier an.
Der Begriff macht sichtbar:
FairShare ist damit kein Werbewort, sondern ein Begriff für Transparenz in der Preisarchitektur.
In einer üblichen Marktlogik entsteht der Preis oft aus Marktzwängen, Konkurrenz, Handelsstufen, Standardisierung, Verpackung, Verfügbarkeit und Margendruck.
FairShare stellt eine andere Frage:
Nicht zuerst:
Was ist der Markt bereit zu zahlen?
Sondern:
Was braucht die Produktion, und wie muss ein Preis aufgebaut sein, damit entlang des gesamten Weges eine tragfähige Versorgung möglich wird?
Dadurch wird nicht nur der Endpreis betrachtet, sondern auch seine innere Zusammensetzung.
FairShare lässt sich nicht nur auf ein einzelnes Produkt anwenden, sondern auf unterschiedliche Versorgungsebenen und Produktgruppen.
Bei lokalen Lebensmitteln hilft FairShare zu verstehen, wie viel eines Endpreises bei den Produzierenden bleibt und welche gemeinschaftlichen Strukturen vor Ort mitgetragen werden.
Bei regionalen Lebensmitteln macht FairShare sichtbar, wie Produktion, Bündelung, Verteilung und gemeinschaftliche Organisation zusammenspielen und wie der Preis entlang dieser Struktur verteilt wird.
Auch im europa-regionalen Kontext bleibt dieselbe Grundfrage bestehen: Wie kann Versorgung über größere Entfernungen so organisiert werden, dass nicht vor allem Handels- und Zwischenstufen profitieren, sondern die tragende Grundlage der Produktion gestärkt wird?
Gerade hier wird FairShare zu einer wichtigen Orientierungsgröße, weil Transport, Koordination und Verteilung zwar reale Kosten verursachen, aber dennoch sichtbar bleiben soll, welcher Anteil am Ende tatsächlich auf dem Hof ankommt.
FairShare kann auf viele Produktgruppen angewandt werden, etwa auf frische Lebensmittel, lagerfähige Produkte, verarbeitete Erzeugnisse oder andere gemeinschaftlich getragene Angebote.
Der Begriff ist also nicht an eine einzelne Frucht, ein einzelnes Produkt oder eine einzelne Lieferform gebunden.
Die FairShare-Rate ist der Rechenfaktor innerhalb der FairShare-Logik.
Sie zeigt, welcher Anteil des Endpreises direkt in Anbau und Produktion fliesst.
Damit ist sie keine Preisvorgabe und keine Formel, die festlegt, was ein Produkt kosten muss. Sie ist eine Transparenz- und Orientierungsgröße. Sie macht sichtbar, wie ein bereits bestehender Endpreis verteilt ist.
Eine niedrige FairShare-Rate bedeutet, dass ein größerer Anteil des Endpreises auf dem Hof ankommt. Eine hohe FairShare-Rate zeigt dagegen, dass der Abstand zwischen Endpreis und dem Anteil für Anbau und Produktion größer ist.
Die FairShare-Rate ist nicht nur eine Kennzahl für ein einzelnes Produkt. Sie ist auch ein wichtiges Instrument, um Ernährungssysteme, Lieferketten und Versorgungsmodelle miteinander zu vergleichen.
Sie hilft dabei, unterschiedliche Strukturen nicht nur nach ihrem Endpreis, sondern nach ihrer inneren Verteilung zu beurteilen.
Dadurch wird sichtbar:
In diesem Sinn kann FairShare dazu beitragen, verschiedene Lebensmittelnetzwerke besser zu verstehen und strukturell einzuordnen.
Ein mögliches Ziel besteht darin, Versorgungssysteme so zu gestalten, dass bei gleichbleibender oder steigender Qualität ein möglichst hoher Anteil direkt ab Hof wirksam wird. Das entspricht einer möglichst niedrigen FairShare-Rate.
Die niedrigste denkbare FairShare-Rate ist 1.
Eine FairShare-Rate von 1 bedeutet:
100 % des Endpreises gehen direkt an den Hof beziehungsweise an den produzierenden Betrieb.
In der Praxis wäre das nur unter sehr besonderen Bedingungen möglich.
Eine FairShare-Rate von 1 würde in dieser Logik bedeuten, dass der Hof zwar die Produktion übernimmt, aber möglichst keine zusätzlichen Leistungen rund um Sortierung, Waschung, Einzelverpackung, Ladenbetrieb, Auslieferung oder Handelsstruktur tragen muss.
Der denkbare Grenzfall wäre etwa so:
In einem solchen Fall würde der Hof im Wesentlichen die Produktion und eventuell noch die Erntekoordination übernehmen, nicht aber die nachgelagerten Dienstleistungen einer Lieferkette.
Man könnte auch sagen:
Die Menschen kommen nicht als klassische Kund:innen, sondern eher wie mittragende Erntehelfende oder Selbstabholende in eine direkte Versorgungsbeziehung hinein.
Die FairShare-Rate von 1 ist deshalb weniger ein realistischer Standardfall als ein theoretischer Grenzpunkt. Sie macht sichtbar, wie stark jede zusätzliche Dienstleistung, Aufbereitung, Logistik oder Handelsfunktion die Rate erhöht.
Gerade dadurch ist dieser Grenzfall aufschlussreich:
Er zeigt, dass FairShare nicht nur eine Preisfrage ist, sondern auch eine Strukturfrage.
Die FairShare-Rechnung ist die konkrete Herleitung innerhalb dieser Logik.
Sie zeigt nachvollziehbar, wie aus einem Endpreis und dem Anteil für Anbau und Produktion die FairShare-Rate entsteht.
Damit gehört die FairShare-Rechnung zum Begriff FairShare dazu, ist aber nicht mit ihm identisch.
Anders gesagt:
FairShare hilft dabei, Lebensmittelsysteme nicht nur nach ihrem Endpreis zu beurteilen, sondern nach ihrer inneren Verteilung.
Der Begriff macht sichtbar, ob ein System vor allem auf Handel, Marge und Preisdruck ausgerichtet ist oder ob es die Produktion selbst in tragender Weise stärkt.
Damit ist FairShare ein Begriff für wirtschaftliche Transparenz, für Verantwortung in der Preisbildung und für die Frage, ob Versorgung nur organisiert oder wirklich gemeinschaftlich getragen wird.
Die folgenden Beiträge zeigen, wie die FairShare-Logik konkret funktioniert und welche Auswirkungen sie auf Preisstrukturen hat: