Stell Dir ein Produkt direkt am Feldrand vor.
Es ist geerntet, aber noch nicht gewaschen.
Es ist nicht sortiert, nicht verpackt, nicht gekühlt und nicht transportiert.
Es steht in einfachen Erntekisten bereit.
Wenn die Abnehmer:innen genau dort selbst abholen, liegt der gesamte Preis direkt beim Hof.
Das ist die FairShare-Rate 1.

Von dort aus beginnt die eigentliche Frage:
Welche Schritte sind notwendig, damit dieses Produkt zu einer Gemeinschaft kommt?
Was kosten diese Schritte?
Wer trägt sie?
Und wie viel vom Endpreis bleibt am Ende noch beim Hof?
Die FairShare-Rate ist bei TEIKEI eine einfache Kennzahl für diese große Frage:
Wie viel vom Endpreis kommt wirklich beim Hof an – und wie viel wird auf dem Weg dorthin für Ernte, Sortierung, Waschen, Verpackung, Lagerung, Transport, Koordination und Verteilung gebraucht?
Sie macht sichtbar, ob eine Versorgungskette wirklich näher an die Produktion heranführt
oder ob sie nur schöner erzählt, aber strukturell ähnlich funktioniert wie der klassische Handel.
Die FairShare-Rate ist deshalb kein Werbewert.
Sie ist ein Prüfwert.
Sie hilft zu erkennen:
Mit Hofanteil ist der Anteil gemeint, der direkt in Anbau und Produktion fließt beziehungsweise beim produzierenden Betrieb ankommt.

Eine FairShare-Rate von 1,0 bedeutet:
Der Endpreis entspricht dem Preis direkt am Hof oder am Feldrand.
In diesem Fall fließen rechnerisch 100 % des Endpreises in die landwirtschaftliche Produktion beziehungsweise zum produzierenden Betrieb.
Das kann zum Beispiel bedeuten:
Das ist die direkteste Form.
Sobald weitere Schritte hinzukommen, verändert sich die FairShare-Rate.
Wenn ein Produkt über einen Hofladen angeboten wird, entstehen zusätzliche Aufgaben.
Wenn es gewaschen, sortiert, gekühlt, verpackt oder transportiert wird, entstehen zusätzliche Kosten.
Wenn größere Strukturen, Abholorte, Lager oder digitale Werkzeuge genutzt werden, entstehen ebenfalls Kosten.
Diese Kosten sind nicht falsch.
Sie zeigen, dass Arbeit geleistet wird.
Wichtig ist, dass sichtbar bleibt, welche Arbeit hinzukommt, wer sie trägt und wie stark sich dadurch der Endpreis verändert.
Eine höhere FairShare-Rate bedeutet deshalb nicht automatisch, dass etwas schlecht ist.
Sie zeigt zunächst nur:
Zwischen Hof und Mitglied liegen weitere notwendige Schritte.
Die entscheidende Frage lautet:
Sind diese Schritte sinnvoll, transparent und gemeinschaftlich getragen – oder entsteht unterwegs unnötige Abschöpfung?
Die FairShare-Rate vergleicht zwei Preise:
Einfach gesagt:
Wie oft steckt der Hofpreis im Endpreis?
Beispiele:
FairShare-Rate 1,0
→ der Endpreis entspricht dem Hofpreis
→ rechnerisch 100 % liegen beim Hof
FairShare-Rate 2,0
→ der Endpreis ist doppelt so hoch wie der Hofpreis
→ etwa 50 % liegen beim Hof
FairShare-Rate 4,0
→ der Endpreis ist viermal so hoch wie der Hofpreis
→ etwa 25 % liegen beim Hof
FairShare-Rate 8,0
→ der Endpreis ist achtmal so hoch wie der Hofpreis
→ etwa 12,5 % liegen beim Hof
Je niedriger die FairShare-Rate, desto größer ist der Anteil, der beim Hof bleibt.
Je höher die FairShare-Rate, desto mehr Kosten, Schritte oder Abschöpfungen liegen zwischen Hof und Mitglied.
Im klassischen Handel lautet die Frage oft:
„Was gibt der Markt her?“
Bei TEIKEI lautet die Frage:
„Was braucht der Hof – und was kostet der Weg bis zur Gemeinschaft?“
Aus diesen realen Kosten entsteht der Endpreis.
Der Preis beginnt also nicht beim Markt.
Er beginnt bei der Hofrealität:
Dazu kommt der Weg vom Hof zur Gemeinschaft:
Vergleichen wir den Preis bei der Gemeinschaft mit dem Preis ab Hof, ergibt sich daraus die FairShare-Rate.
Sie zeigt, welcher Anteil des Endpreises tatsächlich beim produzierenden Betrieb ankommt.
Die FairShare-Rate ist kein Instrument zur Preisfestlegung.
Sie sagt nicht:
Dieser Preis ist richtig.
Dieser Preis ist falsch.
Sie zeigt im Nachhinein, wie sich ein Endpreis zusammensetzt.
Sie macht sichtbar:
Die FairShare-Rate ist also eine Transparenz- und Orientierungsgröße.
Sie hilft, Preise zu verstehen.
Sie setzt Preise nicht fest.
Damit die FairShare-Rate überhaupt sinnvoll ist, braucht es eine klare Grundlage:
Die Transparenz muss bis zum produzierenden Betrieb reichen –
nicht nur bis zu einem Warenhaus, Exporteur oder organisatorischen Zwischenakteur.
Das bedeutet:
Nur dann wird sichtbar, ob der Endpreis die Produktion wirklich trägt.
Wenn nur ein Zwischenpreis bekannt ist, entsteht kein klares Bild.
Dann wissen wir vielleicht, was ein Lager, ein Exporteur oder eine Organisation erhalten hat.
Wir wissen aber noch nicht, ob der Hof wirklich getragen wird.
FairShare braucht deshalb Transparenz bis zum Ursprung.
Nicht aus Kontrolle.
Sondern damit sichtbar wird, ob Verantwortung dort ankommt, wo die landwirtschaftliche Wirklichkeit beginnt.
Nicht jeder zusätzliche Kostenpunkt ist ein Problem.
Ein Hofladen kostet Arbeit.
Eine Sortierung kostet Zeit.
Eine Kühlung braucht Infrastruktur.
Ein Transport braucht Fahrzeuge, Menschen, Energie und Planung.
Ein Abholort braucht Organisation.
Eine digitale Infrastruktur braucht Pflege und Weiterentwicklung.
All das kann sinnvoll sein.
Die FairShare-Rate bewertet diese Schritte nicht moralisch.
Sie macht sie sichtbar.
Dadurch kann gemeinsam geprüft werden:
Welche Schritte sind notwendig?
Welche Schritte können besser gebündelt werden?
Welche Schritte stärken die Versorgung?
Welche Schritte verteuern das Produkt, ohne Verantwortung zu stärken?
So unterscheidet die FairShare-Rate zwischen realen, notwendigen Mehrkosten und unnötiger Abschöpfung.
Die FairShare-Rate hilft, die Effizienz einer Verantwortungskette zu verstehen.
Sie zeigt nicht nur, ob ein Preis „fair“ klingt.
Sie zeigt, wie viel vom Endpreis tatsächlich beim Hof bleibt und wie viel unterwegs für weitere Aufgaben gebraucht wird.
Dadurch kann TEIKEI konkrete Fragen stellen:
Damit wird die FairShare-Rate zu einem Werkzeug gegen reines Marketing.
Sie zeigt, ob eine Versorgung tatsächlich anders organisiert ist.
Viele Modelle sprechen von fairen Preisen, Prämien oder Bonuszahlungen.
Das kann hilfreich sein.
Aber ein Bonus verändert nicht automatisch die Grundstruktur.
Entscheidend ist nicht nur, ob der Hof etwas zusätzlich erhält.
Entscheidend ist, welcher Anteil des gesamten Endpreises tatsächlich beim Hof ankommt.
Wenn ein Produkt am Hof sehr wenig kostet und später zu einem Vielfachen verkauft wird, kann ein kleiner Bonus gut klingen, ohne die Verteilung grundlegend zu verändern.
Die FairShare-Rate schaut deshalb auf das Ganze.
Sie fragt nicht:
Gab es einen Aufschlag?
Sie fragt:
Welcher Anteil des Endpreises trägt wirklich die Produktion?
Die FairShare-Rate hilft auch bei einer unbequemen Frage:
Verändert ein Modell wirklich die Struktur der Versorgung?
Oder stabilisiert es nur das bestehende System mit einer besseren Geschichte?
Ein Lebensmittel kann regional, ökologisch oder fair erzählt werden.
Trotzdem kann der größte Teil des Endpreises unterwegs in Strukturen verschwinden, die mit dem Hof wenig zu tun haben.
Dann wird nicht das Ernährungssystem verändert.
Dann wird nur das bestehende System weitergetragen.
Die FairShare-Rate hilft, diesen Unterschied sichtbar zu machen.
Sie fragt nicht nach der Erzählung.
Sie fragt nach dem Geldfluss.
Und damit nach der realen Verantwortung.
Die FairShare-Rate macht sichtbar, was durch Kooperation möglich wird.
Wenn Transport, Organisation und Verteilung gemeinsam getragen werden
und nicht jeder Schritt auf maximale Marge ausgelegt ist,
→ kann ein Endpreis entstehen, bei dem ein tragender Anteil beim Hof bleibt.
Das ist kein festgelegter Preis.
Es ist das Ergebnis einer funktionierenden Struktur.
Eine FairShare-Rate von 2,0 bedeutet zum Beispiel:
→ etwa 50 % des Endpreises gehen in Anbau und Produktion.
Das ist in vielen klassischen Strukturen kaum erreichbar, weil dort zwischen Hof und Endpreis viele Stufen liegen, die jeweils eigene Kosten, Risiken, Margen und Machtpositionen einbauen.
Bei TEIKEI wird sichtbar, welche Schritte wirklich notwendig sind.
Und welche Schritte anders organisiert werden können.
Die FairShare-Rate hilft dabei, Systeme zu unterscheiden:
Sie macht sichtbar, ob ein Modell nur verbessert wurde
oder ob sich die Grundstruktur der Verteilung verändert hat.
FairShare macht sichtbar, ob Versorgung anders organisiert ist – oder nur anders erzählt wird.
Die folgenden Beiträge zeigen, wie die FairShare-Logik konkret funktioniert und welche Auswirkungen sie auf Preisstrukturen hat: