Züchtung braucht einen langen Atem. Eine neue Sorte entsteht über 10 bis 15 Jahre. Eine Rasse oder eine Kultur bleibt nur erhalten, wenn sie jedes Jahr weitergeführt wird. Diese Arbeit geschieht lange, bevor ein Lebensmittel entsteht, und lässt sich nicht über den Verkauf einzelner Produkte tragen.
Im TEIKEI Netzwerk gilt deshalb der Grundsatz: Auch Züchter:innen können langfristig vom gesamten Netzwerk getragen werden. Der Weg dafür ist ein eigener Kostenbeitrag für Saatgutherstellung und Züchtung: ein minimaler Grundkostenbeitrag, den die Mitglieder monatlich zahlen und der an die Züchter:innen geht.
- Das ganze Netzwerk trägt mit. Züchtung dient allen, nicht nur denen, die ein bestimmtes Lebensmittel beziehen.
- Der Beitrag ist so minimal wie nur möglich. Weil viele mittragen, bleibt er für jedes Mitglied klein. Er trägt dennoch dazu bei, Saatgut und Züchtung zu stabilisieren.
- Er ist ein eigener Beitrag. Er ist nicht Teil der Grundkostenbeteiligung, die die gemeinsame Infrastruktur trägt. Was die Grundkostenbeteiligung trägt, beschreibt die Seite Was die Grundkostenbeteiligung finanziert.
- Er wird monatlich gezahlt. Züchtung braucht Verlässlichkeit über Jahre, keine einzelnen Zahlungen.
- Er geht an die Züchter:innen. So wird die Arbeit an der Wurzel der Versorgung getragen.
flowchart LR
M[Mitglieder im ganzen Netzwerk]
Z[Züchter:innen]
P[Höfe und Produzent:innen]
M -->|monatlicher Grundkostenbeteiligung| Z
Z -->|Saatgut, Pflanzgut, Tiere, Kulturen| P
P -->|Lebensmittel| M
Der Grundkostenbeitrag macht sichtbar, was ein Hof braucht, damit er überhaupt arbeiten kann. Er fragt nicht, was ein Produkt am Markt erlöst, sondern was die Arbeit braucht, damit sie gut und langfristig möglich ist.
Für die Züchtung gilt das in besonderem Maß:
- Die Kosten fallen Jahre vor der ersten Ernte an.
- Der Verkauf von Saatgut und Lizenzgebühren reichen für ökologische Züchtung nicht aus (Wirz, Kunz, Hurter 2017).
- Erhaltung bringt kein neues Produkt hervor, sie hält Bestehendes am Leben.
|
Grundkostenbeitrag für einen Hof |
Grundkostenbeitrag für Züchtung |
| Was getragen wird |
Die Grundlage eines Hofes: Arbeit, Pflege, Boden, Wasser, Infrastruktur |
Die Arbeit an Sorten, Rassen und Kulturen: züchten, erhalten, vermehren |
| Wer trägt |
Mitglieder und Gemeinschaften, die mit dem Hof verbunden sind |
Die Mitglieder im gesamten Netzwerk |
| Rhythmus |
Je nach Hof und Gemeinschaft |
Monatlich |
| Höhe |
Entsteht aus der Realität des Hofes |
So minimal wie nur möglich |
- Sie gehören zum selben Bereich wie Höfe und Produzent:innen. Die Züchtung ist der erste Schritt der Verantwortungskette.
- Sie stellen bereit, womit Höfe und Betriebe arbeiten: Saatgut, Pflanzgut, Tiere und Kulturen.
- Sie bekommen zurück, was Höfe im Anbau, im Stall und in der Verarbeitung erfahren. So können sich Sorten, Rassen und Kulturen weiterentwickeln.
- Sie werden vom Netzwerk getragen und müssen ihre Arbeit nicht allein über den Verkauf finanzieren.
Wer zu den Züchter:innen zählt, beschreibt der Glossarbeitrag Züchter:in.
¶ Ähnliche Wege an anderen Orten
Die Idee, Züchtung gemeinsam zu tragen, gibt es auch außerhalb des TEIKEI Netzwerks:
- Züchtungspromille: Diskutiert wird ein kleiner Anteil auf Lebensmittel, der in die Züchtung fließt (Wirz, Kunz, Hurter 2017).
- Stiftungen und Fonds: Züchtungsinitiativen werden über langfristige Zusagen gefördert (Wirz, Kunz, Hurter 2017).
- Lenkungsabgabe: Im Schweizer Bioobstbau verbilligt eine Abgabe auf nicht biologisches Pflanzgut die biologischen Jungbäume aus Schweizer Biobaumschulen (bioaktuell.ch).
- Ehrenamt und Gönnerschaft: Bei ProSpecieRara betreuen Ehrenamtliche die Sorten, Gönner:innen tragen die Stiftung mit.
Der Weg im TEIKEI Netzwerk unterscheidet sich darin, dass der Beitrag nicht am einzelnen Produkt hängt. Er wird wie eine gemeinsame Grundlage getragen.
- Wie hoch der Beitrag genau ist und wie er berechnet wird. Fest steht: so minimal wie nur möglich.
- An welche Züchter:innen er geht und wer darüber entscheidet.
- Wie er in der Agora sichtbar wird.
- Wie Züchter:innen ihre Arbeit und ihre Grundkosten sichtbar machen, so wie Höfe es für den Grundkostenbeitrag tun.
↑ Eine Ebene höher: Saatgut und Züchtung
Von Felix Schröder, mit Unterstützung von KI (Claude)
Erstellt am 10. Oktober 2026 · Zuletzt aktualisiert am 13. Oktober 2026
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