TEIKEI Netzwerk › Züchter:innen, Höfe und Produzent:innen · 6 Min. Lesezeit
Jedes Lebensmittel hat eine Geschichte, die vor dem Hof beginnt. Bevor ein Feld bestellt, ein Baum gepflanzt, eine Herde aufgebaut oder ein Käse gereift werden kann, braucht es Saatgut, Pflanzgut, Tiere und Kulturen. Jemand hat sie gezüchtet, erhalten und vermehrt.
Im TEIKEI Netzwerk beginnt die Beschreibung der Verantwortungskette deshalb bei Saatgut und Züchtung. Sie sind die Wurzel, aus der alles Weitere wächst.
Dieser Bereich zeigt, was zu dieser Wurzel gehört, wer die Arbeit heute trägt und warum sie mitgetragen werden muss.
Wer Saatgut erhält, erhält nicht nur ein Produkt, sondern die Fähigkeit, dass Leben sich erneut hervorbringt. So beschreibt es der Glossarbeitrag Transaktionskette, syntropische.
Saatgut lässt sich nicht wie ein Vorrat lagern. Es verliert mit der Zeit seine Keimfähigkeit und muss lebendig weitergeführt werden: angebaut, ausgelesen, geerntet, wieder ausgesät. Dasselbe gilt für Tierrassen und für die Kulturen, mit denen Käse, Brot und Fermente entstehen.
Eine Versorgung, die diese Arbeit nicht sieht, lebt von einer Grundlage, die sie nicht pflegt. Eine Versorgung, die bei der Wurzel beginnt, kann die Bedingungen stärken, aus denen sie morgen wieder entsteht.
Züchtung ist hier weit gemeint. Sie umfasst vier Felder:
| Feld | Worum es geht | Beispiele |
|---|---|---|
| Saatgut und Sorten | Sorten entwickeln, erhalten und Saatgut vermehren | Gemüse, Getreide, Kräuter, Ackerkulturen |
| Jungpflanzen und Pflanzgut | Pflanzen anziehen und Dauerkulturen vermehren | Jungpflanzenanzucht, Baumschule, Veredelung bei Obst, Beeren und Reben |
| Tierzucht | Rassen und Linien züchten und erhalten | Zweinutzungshühner, Rinder, alte Nutztierrassen |
| Kulturen für die Verarbeitung | Mikroorganismen pflegen und weiterentwickeln | Käsekulturen, Sauerteig, Fermente, bis hin zu neuen Käsesorten mit neuen Bakterienkulturen |
Zu jedem Feld gehören drei Arbeiten, die oft bei verschiedenen Menschen liegen:
| Stufe | Was hier geschieht | Was weitergegeben wird |
|---|---|---|
| Züchtung | Züchten, erhalten, vermehren | Saatgut, Pflanzgut, Tiere, Kulturen |
| Höfe und Produzent:innen | Anbau, Tierhaltung, Ernte | Erzeugnisse |
| Veredelung und Weiterverarbeitung | Pressen, sortieren, abfüllen, backen, Käse herstellen | Fertige Lebensmittel |
| Logistik | Bündeln, lagern, transportieren | Lieferungen an die Gemeinschaften |
| Gemeinschaften und Mitglieder | Abholen, verteilen, kochen, essen | Beiträge und Rückmeldungen |
Die Verantwortungskette verläuft nicht nur in eine Richtung. Was Höfe und Betriebe im Anbau, im Stall und in der Verarbeitung erfahren, fließt in die Züchtung zurück. So passen sich Sorten, Rassen und Kulturen an Orte und Menschen an.
Viele Höfe tragen einen Teil dieser Arbeit selbst. Ein Beispiel aus dem Netzwerk ist Piluweri mit eigener Saatgutgewinnung und eigener Jungpflanzenanzucht. Wie Saatgutgewinnung und Sortenerhaltung im Anbau aussehen, beschreibt die Seite Einjährige Kultursysteme.
Wenige Unternehmen bestimmen den Saatgutmarkt. Der Anteil der vier größten Konzerne am Saatgutsektor ist seit 1994 von 21 auf 57 Prozent gestiegen (Heinrich-Böll-Stiftung, Pestizidatlas 2022).
Vielfalt geht verloren, wenn sie nicht genutzt wird. Laut FAO sind in den letzten 100 Jahren etwa 75 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Arten und Sorten verschwunden (zitiert nach Wirz, Kunz, Hurter 2017).
Züchtung braucht einen langen Atem. Züchtungsprojekte laufen in Zyklen von 10 bis 15 Jahren und brauchen langfristige Zusagen. Bisher stammen nur 1 bis 5 Prozent der Sorten für den Ökolandbau aus ökologischer Züchtung (Wirz, Kunz, Hurter 2017).
Auch die Tierzucht ist stark konzentriert. In der Geflügelzucht beherrschen drei große Akteure und ihre Tochtergesellschaften den Markt, die Legehennen stammen von lediglich zwei Zuchtunternehmen (top agrar, September 2026).
Auch Käsekulturen verlieren Vielfalt. Die für Käse genutzten Populationen des Blauschimmelpilzes Penicillium roqueforti haben den größten Teil ihrer Vielfalt verloren, der Camembert-Pilz Penicillium camemberti ist eine einzige klonale Linie (Crequer und andere 2023).
Die folgenden Organisationen sind Beispiele aus öffentlich zugänglichen Quellen. Sie zeigen, wie Züchtung und Erhaltung gemeinschaftlich getragen werden können.
| Organisation | Land | Was sie tut |
|---|---|---|
| ProSpecieRara | Schweiz | Stiftung, erhält seit 1982 gefährdete Kulturpflanzen und Nutztierrassen: über 5700 Sorten und 42 Rassen. Grundsatz: «Erhaltung durch Nutzung» |
| Kultursaat | Deutschland | Gemeinnütziger Verein, erhält samenfeste Gemüsesorten, züchtet neue offen abblühende Sorten und betreibt Züchtungsforschung |
| Ökologische Tierzucht | Deutschland | Gemeinnützige Gesellschaft von Bioland und Demeter, züchtet unter anderem Zweinutzungshühner und Rinder. Leitsatz: «Bio fängt mit Züchtung an» |
| Stammsammlung von Agroscope | Schweiz | Rund 15 000 Isolate, vor allem Milchsäure- und Propionsäurebakterien aus Milch und Käse, als Grundlage für Käsekulturen |
Im TEIKEI Netzwerk können Züchter:innen langfristig vom gesamten Netzwerk getragen werden: über einen minimalen Grundkostenbeitrag, den die Mitglieder monatlich zahlen und der an die Züchter:innen geht. Er ist ein eigener Beitrag, so minimal wie nur möglich, und trägt dazu bei, Saatgut und Züchtung zu stabilisieren.
Der Verkauf von Saatgut und Lizenzgebühren reichen für ökologische Züchtung nicht aus (Wirz, Kunz, Hurter 2017). An anderen Orten gibt es dafür mehrere Wege:
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Zusammengestellt von der TEIKEI-Redaktion mit Unterstützung von KI (Claude)
Erstellt am 10. Oktober 2026 · Zuletzt aktualisiert am 13. Oktober 2026
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