Autorität und Herrschaft werden häufig miteinander verwechselt.
Dabei beschreiben sie unterschiedliche Formen von Führung.
Herrschaft kann sich auf Macht, Kontrolle oder Weisungsbefugnis stützen.
Autorität dagegen entsteht, wenn Menschen einer Person freiwillig Vertrauen schenken und ihrer Orientierung folgen.
Für eine kooperative Wirtschaft ist diese Unterscheidung von großer Bedeutung.
Denn Zusammenarbeit braucht Führung.
Sie braucht jedoch nicht zwangsläufig Herrschaft.
Herrschaft beschreibt eine Organisationsform, in der Entscheidungen dauerhaft über andere Menschen getroffen und durchgesetzt werden können.
Sie kann auf Gesetzen, Hierarchien, Eigentum, wirtschaftlicher Abhängigkeit oder Gewalt beruhen.
Menschen folgen einer herrschenden Struktur häufig deshalb, weil sie müssen.
Nicht unbedingt, weil sie überzeugt sind.
Herrschaft kann Ordnung schaffen.
Sie kann Entscheidungen beschleunigen.
Sie kann Verantwortung bündeln.
Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass sie Eigenverantwortung schwächt und Beziehungen durch Kontrolle ersetzt.
Autorität lässt sich nicht verordnen.
Sie entsteht dort, wo Menschen Kompetenz, Erfahrung, Integrität oder Fürsorge wahrnehmen und deshalb freiwillig Vertrauen schenken.
Autorität muss nicht eingefordert werden.
Sie wird verliehen.
Deshalb kann auch ein Mensch ohne formale Position große Autorität besitzen.
Und umgekehrt kann jemand eine hohe hierarchische Stellung innehaben, ohne echte Autorität auszustrahlen.
Kooperative Organisationen verzichten nicht auf Führung.
Sie gestalten Führung anders.
Führung bedeutet hier vor allem,
Menschen folgen dabei nicht in erster Linie einer Position.
Sie folgen einer Person, deren Handeln Vertrauen schafft.
Menschen gewinnen Autorität selten dadurch, dass sie Macht erhalten.
Sie gewinnen Autorität dadurch, dass sie Verantwortung übernehmen.
Wer über längere Zeit zuverlässig handelt,
wer zuhört,
wer Entscheidungen nachvollziehbar erklärt,
wer Fehler eingesteht,
wer andere stärkt,
entwickelt häufig ganz selbstverständlich Autorität.
Diese Form der Führung macht Kontrolle immer weniger notwendig.
Aus Sicht von TEIKEI bedeutet gesellschaftlicher Wandel nicht, Führung abzuschaffen.
Die entscheidende Frage lautet vielmehr:
Worauf gründet Führung?
Auf Macht?
Oder auf Vertrauen?
Auf Kontrolle?
Oder auf Verantwortung?
Je stärker Autorität aus Beziehung entsteht, desto weniger muss Herrschaft das Zusammenleben organisieren.
Dadurch verändern sich auch Organisationen.
Sie werden nicht führungslos.
Sie werden verantwortungsvoller.
Eine kooperative Wirtschaft braucht Menschen, die Orientierung geben.
Sie braucht Erfahrung.
Sie braucht Wissen.
Sie braucht Entscheidungen.
All das bleibt wichtig.
Der Unterschied liegt darin, dass Führung ihre Legitimation nicht vor allem aus ihrer Position bezieht.
Sondern aus ihrem Beitrag zum gemeinsamen Ganzen.
Autorität wird dadurch zu einer dienenden Form von Führung.
Nicht zu einer Form der Herrschaft.
Folgen Menschen einer Entscheidung, weil sie müssen – oder weil sie Vertrauen in die Person und den gemeinsamen Weg haben?
„Herrschaft kann Gehorsam erzeugen. Autorität entsteht dort, wo Menschen freiwillig Vertrauen schenken. Eine kooperative Wirtschaft braucht deshalb nicht weniger Führung, sondern eine andere Form von Führung.“